Unterlassene Hilfeleistung: Verfahren eingestellt

Ausmaß des Unfalls nicht erkannt

Bad Hersfeld. Ob er wirklich hätte helfen können, als der Fahrer eines Schulbusses am Morgen des 17. Oktober 2007 zwischen Wehrda und Schletzenrod den Ort eines schweren Verkehrsunfalls passierte, das bezweifelte auch Staatsanwalt Andreas Hellmich.

Dass es der damals 73-Jährige allerdings bei der Frage bewenden ließ, ob der Rettungsdienst verständigt sei und anschließend seine Tour über die Haunetaler Dörfer Richtung Bad Hersfeld fortsetzte, das war dem Vertreter der Anklage definitiv zu wenig.

Einfache Antworten gab es folglich nicht, als sich der Busfahrer gestern vor Einzelrichter Elmar Schnelle im Bad Hersfelder Amtsgericht wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten musste.

Zwei eingeklemmt

So war dem Mann am Steuer des Zehn-Sitzers das Ausmaß des Unfalls mit drei Verletzten, von denen einer später noch starb, möglicherweise überhaupt nicht klar. Er sah wohl nur einen jungen Mann, der mit seinem Handy telefonierte und einen weiteren Mann.

Dass Ersterer der verstörte und zudem erheblich verletzte Fahrer des Unfallwagens war und der andere sich als Ersthelfer ganz alleine gleich um zwei eingeklemmte Insassen des Autos kümmerte, das sich mehrfach überschlagen hatte, hatte der Busfahrer wohl wirklich nicht wahrgenommen. „Für mich war das erledigt“, sagte der Angeklagte, der vor seiner Weiterfahrt noch eine auf der Straße liegende Box aufhob, verwahrte und noch am selben Tag bei den Eltern des Unfallfahrers ablieferte. Außerdem machte der schwerbehinderte alte Herr geltend, „nicht einsatzfähig“ gewesen zu sein.

„Rustikale Art“

Dass der Busfahrer, dem von Bekannten eine „rustikale Art“ nachgesagt wird, am Ende wirklich keine große Hilfe gewesen wäre, kam ebenfalls zur Sprache. Staatsanwalt Hellmich wies jedoch darauf hin, dass in einer solchen Extremsituation auch moralische Unterstützung gefragt sei. Und der Servicetechniker, der als erster an der Unfallstelle eingetroffen war und um das Leben des bewusstlosen Mannes auf dem Rücksitz kämpfte, sagte ganz offen, er habe sich geärgert, dass der Busfahrer doch so schnell wieder verschwunden war.

Geringes Bußgeld

Bei allem Für und Wider reichte es weder für eine Verurteilung noch für einen Freispruch. So wurde das Verfahren eingestellt und eine Geldauflage verhängt. Dass die mit 250 Euro geringer ausfiel, als von Richter Schnelle zunächst für erforderlich gehalten, erklärte sich durch die arg beschränkten finanziellen Verhältnisse des von einer schmalen Rente lebenden Angeklagten.

Von Karl Schönholtz

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