„erasing.com“: Ila Wingen stellt zum zweiten Mal in der Galerie im Stift aus

Auslöschen und erschaffen

„erasing.com“ heißt die Ausstellung von Ila Wingen, die am Sonntag in der Galerie im Stift eröffnet wird. Unser Bild zeigt Wingen mit ihrem Werk „Dog watch Islam“. In die Ausstellung einführen wird der ARD-Korrespondent Horst Jessen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Von Verlust, Liebe, Politik und der Natur im Kontext der modernen Welt handeln die Werke in Ila Wingens aktueller Schau. „Ich arbeite immer nah an dem, was mich umgibt“, erklärt die Künstlerin aus Berlin.

Am Sonntag, 5. Oktober, wird Wingens Ausstellung „erasing.com“ um 11.30 Uhr im Kapitelsaal der Galerie im Stift eröffnet. Die Einführung in die Ausstellung übernimmt der bekannte ARD-Korrespondent Horst Jessen, die Eröffnung Stadträtin Birgit zum Winkel.

„Der Raum ist eine Herausforderung, aber ich mag Herausforderungen“, sagt Ila Wingen, die bereits vor einigen Jahren im Kapitelsaal ausgestellt hat. „erasing.com“ geht der Frage nach, inwiefern die digital strukturierte und funktionierende Welt, in der Prozesse und Entscheidungen allgegenwärtig und quasi ohne Zeitverlust möglich und gefordert sind, gewohnte Strukturen, Werte und Lebensformen auslöscht („erase“). Gleichzeitig ist der Titel phonetisch nicht weit entfernt von “araising.com“, also: aufwachsend, neu schöpfend – ein für Ila Wingen typisches Wortspiel.

Generalthema sei das Wechselverhältnis zwischen Auslöschen und neu Schaffen in einer rast- und ruhelosen globalisierten Welt, die einerseits durch die hocheffiziente Nutzung von Zeit gekennzeichnet ist, in der paradoxerweise aber genau dadurch die Menschen mehr und mehr unter die Herrschaft der Zeit, des rasenden Zeitdrucks, gerieten.

Künstlerische Brechung

Was dieses real existierende Paradoxon in und mit Individuen und Kulturen anrichtet, möchte Ila Wingen thematisieren – nicht in plakativer Form, sondern in künstlerischer Brechung. Als Mittel dafür nutzt die Künstlerin die Formen Malerei, Collage, Skulptur, Installation, Video und Text.

Auch in Wingens Ausstellung 2010 im Bad Hersfelder Museum spielte Zeit eine Rolle. „Keine Zeit zum Umziehen“ lautete damals der Ausstellungstitel. Jetzt spitzt die Berlinerin das Thema mit dem Dreiklang von Zeit, Raum und Materie zu.

Wie aktuell dieser Zusammenhang ist, würden wir sowohl an den Umbrüchen und Konflikten politischer, militärischer und kultureller Art merken, dem Zustand einer „Welt, die aus den Fugen gerät“, so Außenminister Frank-Walter Steinmeier, wie auch an den von Philosophen derzeit verstärkt geführten Debatten um Zeit, ihr Verschwinden und die Notwendigkeit von Entschleunigung.

Zu sehen ist „erasing.com“ bis 23. November dienstags bis samstags, 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. (red/nm)

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