Kabarett mit Django Asül zum Auftakt der Theater-Abo-Saison in der Bad Hersfelder Stadthalle

Der Ausländer aus Niederbayern

Django Asül: Minimalistisches Bühnenbild und ein alkoholfreies Weißbier. Foto: Weigand

Bad Hersfeld. Ein Stehtisch, ein gefülltes Weißbierglas, ein Niederbayer – gelungener Auftakt zur Theater-Abo-Saison 2015/2016 dank Django Asül. Der Kabarettist mit türkischen Wurzeln – aber mittlerweile „nur“ noch deutschem Pass – überzeugte mit seinem zweistündigen Programm die Zuschauer in der leider nur etwas mehr als halbvollen Bad Hersfelder Stadthalle.

Sein „Boxenstopp“ ist gewissermaßen ein Best-of seiner bisherigen fünf Bühnenprogramme der letzten 20 Jahre, an manches erinnert man sich vielleicht auch aufgrund seiner Fernsehauftritte bei „Neues aus der Anstalt“ und „Asül für Alle“ (BR).

Doch die Themen sind zumeist einfach zeitlos: Politiker-Persönlichkeiten aus Bayern, Bildung, Migration und Integration, Fußball und nicht weniger als die komplette Weltpolitik am Stammtisch. Gleich zu Beginn umschwärmt er das Publikum mit seinen Eindrücken von seinem ersten Aufenthalt in der Kurstadt: „Was Kitzbühel für München ist, ist Hersfeld für Hünfeld.“ Er berichtet sympathisch von frühkindlichen Familienerlebnissen beim jährlichen Heimaturlaub in der Türkei, seinem ganz privaten Gaza-Streifen. Auch seine Lehrzeit als Sparkassen-Azubi und Erlebnisse im Krankenhaus gibt er mit reichlich Wortwitz zum Besten.

Der Pisa-Schock

Besonders die Betrachtungen des deutschen Schulsystems nach dem Pisa-Schock aus Sicht eines Migranten begeistern das Publikum. Da es in Finnland acht Monate dunkel ist, sind die Kinder dort hell im Kopf. Die Allgemeinbildung bei uns hingegen am Boden: „Kennst Du Gorbatschow?“ – „Ja, aber nur mit Red-Bull.“ Am Rand des niederbayerischen Fußballplatzes braucht es keine studierten Experten, damit die Integration aller Zugezogenen gelingt, in der Rolle des erfahrenen Jugendtrainers bringt er jeden seiner Schützlinge ins Trockene.

Tipps für die Landespolitik

Stolz ist Asül darauf, dass er Starkbierredner im Münchner Hofbräuhaus wurde: In einem anderen Bundesland wäre dies einem Berater der Landesregierung gleichzusetzen. So ist nur folgerichtig, dass nicht etwa er, der Kabarettist, die Landespolitiker nachahme, sondern umgekehrt diese von ihm die entscheidenden Trends erst erhielten.

Nach einem kurzen Exkurs in die hessische Landespolitik mit der in Bayern undenkbaren Koalition schwarz/grün, dem möglicherweise lateinischen Begriff „Bouffier“ für Rohrkrepierer und dem klassisch südhessischen Namen Al-Wazir, endet ein vergnüglicher Abend mit dem Fazit: „Als Niederbayer bist a Ausländer fast überall.“

Von Torsten Wiegand

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