Fremdenfeindlichkeit und die Reaktion darauf in Niederaula – Verfahren eingestellt

Ausländer, die ich nicht mag

Bad Hersfeld. Eingestellt wurde gestern vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld das Strafverfahren gegen zwei türkischstämmige junge Männer aus Niederaula, denen Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken räuberische Erpressung vorgeworfen hatte. Denn nicht nur der Tathergang vom 10. Oktober vergangenen Jahres war nicht zweifelsfrei aufzuklären, sondern es war während der Beweisaufnahme auch ein fremdenfeindlicher Hintergrund offenbar geworden.

Auf den ersten Blick schien alles ganz einfach: Die beiden Angeklagten, zwei 22 und 30 Jahre alten Brüder, hatten wegen vermeintlicher Beschädigungen am Pkw eines dritten Bruders am 10. Juli 2010 vor den Wohnungen der angeblichen Übeltäter lautstark Rabatz gemacht, Türen eingetreten und jeweils 2000 Euro Schadenersatz gefordert. Anderenfalls passiere etwas, sollen sie angekündigt haben und dabei auch die Familien ihrer Widersacher bedroht haben.

Doch nicht etwa die schweigenden Angeklagten standen im Mittelpunkt des Prozesses, sondern ein Zeuge, dessen Äußeres schon andeutete, worum es hier eigentlich ging. Die Haare raspelkurz, Tätowierungen an den Händen und im Nacken, Stachelpiercings und Lonsdale-Bekleidung – da bedurfte es kaum noch der hartnäckigen Nachfrage eines Verteidigers, warum man wohl im Streit liege. Nach anfänglichem Herumgedruckse sagte der 34-jährige Lagerist aus Mengshausen: „Die sind so eine Art Ausländer, die ich nicht mag,“ und schob nach: „Wahrscheinlich sind sie kriminell.“

Den Finger zeigen

Schon bei den vorhergehenden Vernehmungen hatte sich gezeigt, dass der eigentliche Konflikt schon länger schwelt, dass Liebesbeziehungen zwischen den Gruppen missbilligt werden, und dass man sich bei zufälligen Begegnungen in herzlicher Abneigung „den Finger zeigt“.

Im konkreten Fall hatte eine Bekannte der Türken mitbekommen, wie sich nächtens zwei Männer an einem Pkw zu schaffen gemacht hatten und glaubte unter anderem den Lageristen identifiziert zu haben.

Am nächsten Tag, als die 23-Jährige mit einer schwangeren Freundin nach Bad Hersfeld fuhr, verlor ein Vorderrad die Luft. Wie sich herausstellte, hatte der Reifen ein Loch, mutmaßlich durch einen spitzen Gegenstand. Ob Zufall oder nicht, das ließ sich nicht mehr feststellen.

Passiert war glücklicherweise nichts, doch die möglichen Folgen des unterstellten Plattstechens, brachte die Türken-Gruppe in Rage. So erklärten sich die Auftritte vom 10. Juli.

Von Karl Schönholtz

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