Ausgezeichnete Firma und historische Gebäude

Liebe Leserinnen und Leser aus Bad Hersfeld,

die Gemeinde Barchfeld-Immelborn im Werratal nahe Bad Salzungen wird vor allem durch ihre drei großen Gewerbegebiete geprägt. Dass die dort angesiedelten Unternehmen schon lange nicht mehr nur die verlängerte Werkbank von Konzernen aus den alten Bundesländern sind, zeigt eine Auszeichnung, die die Firma KRS-Seigert vergangene Woche von der Bosch-Group erhalten hat.

Das Unternehmen darf sich nun „Preferred Supplier“ nennen. Damit gilt KRS-Seigert für den Konzern als besonders kompetenter und leistungsfähiger Lieferant im Bereich Wälzkörper.

Lediglich ein weiteres Unternehmen in diesem Produktsegment weltweit darf derzeit diesen Titel führen. Unter anderem produziert die KRS Komponenten wie Kugeln und Walzen unterschiedlicher Durchmesser für den Automobilsektor. Diese finden zum Beispiel bei den Sicherheitssystemen der Fahrzeuge wie ABS und ESP Verwendung. Die Barchfelder Firma beschäftigt zurzeit 250 Mitarbeiter und ist weiter auf Wachstumskurs.

Eher ungewiss ist die Zukunft dagegen für zwei historische Gebäude in Barchfeld, um die in den vergangenen Wochen eine heftige Diskussion entbrannte.

Die Gemeinde hatte die beiden Schlösser, die direkt nebeneinander liegen und vom Verfall bedroht sind, vor zwei Jahren gekauft. Ob diese Entscheidung richtig war, und ob die Gebäude einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden können, darüber ist der Gemeinderat nun tief gespalten. Den Schlossgegnern, die das Vorhaben als „Fass ohne Boden“ bezeichnen, stehen die Befürworter gegenüber, die für den Erhalt der geschichtsträchtigen Orte plädieren.

Auch für Sie, liebe Leser in Hessen, dürfte die Vergangenheit der Gebäude interessant sein. Im Jahr 1387 verkauften nämlich die Herren vom Stein drei Viertel des Besitzes an den Landgrafen von Hessen. Als Folge mussten Teile der alten Barchfelder Burg an hessische Burgmannen übergeben werden. Durch Heirat und Erbschaft gelangte 1527 der landgräflich hessische Hofrichter Ludwig von Boyneburg zu Gerstungen an den Besitz.

Die Herren von Stein-Liebenstein zu Barchfeld ließen 1571 bis 1581 das Stein’sche Schloss im Stil der Renaissance errichten. Die Boyneburger hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Schlösser in Stadtlengsfeld und Weilar fertiggestellt und versahen dort die nötigen Amtsgeschäfte, lediglich ein Gutshof diente ihnen in Barchfeld als Amtssitz.

Bis zum Jahr 1721, als Barchfeld zum Sitz der Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld wurde. Dieser ließ zwischen 1690 und 1732, direkt neben dem Stein’schen Schloss, ein im Grundriss dreiflügeliges Barockschloss errichteten. Hessen-Philippsthal-Barchfeld ist eine der beiden heute noch bestehenden Linien des hessischen Fürstenhauses.

marie-luise.otto@stz-online.de

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