Auftaktveranstaltung zu Bad Hersfeld liest ein Buch in der City Galerie

Im Osten ging jeder Schuss nach hinten los

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Bad Hersfeld liest: Auftaktveranstaltung in der Hoehlschen Buchhandlung mit von links Dr. Thomas Handke, Sandra Rudolph (Stadtbibliothek), Frank Effenberger, Prof. Lothar Seitz, Elke Hohmann und Tobias Feickert.

Bad Hersfeld. „Die Ostzeiten waren ein einziges Schützenfest, bei dem jeder Schuss nach hinten losging“, treffender als mit diesem Zitat aus Thomas Brussigs Roman „Am kurzen Ende der Sonnenallee“ kann man nach Ansicht des Bad Salzunger Stadtrats Tobias Feickert die Verhältnisse in der DDR kaum beschreiben.

Feickert war einer der beiden prominenten Vorleser, die während der Auftaktveranstaltung zu „Bad Hersfeld liest ein Buch“ in der Hoehlschen Buchhandlung kurze Appetithappen aus der diesjährigen Aktions-Lektüre präsentierten. Geburtsjahrgang 1991 hat der Thüringer Zonengrenze und Berliner Mauer aus eigenem Erleben nicht mehr kennengelernt.

Für seine Generation würde es keine Unterschiede zwischen Ossis und Wessis geben, äußerte Feickert im Gespräch mit Dr. Handke und ergänzte „Vorurteile gibt es - wenn überhaupt - vereinzelt in der älteren Generation, die noch im geteilten Deutschland aufgewachsen ist“.

Bevor Prof. Lothar Seitz mit seinem Lesebeitrag begann, nutzte Thomas Handke die Gelegenheit, den Vorsteher des Bad Hersfelder Stadtparlaments um eine kurze Stellungnahme zum „Festspiel-Eklat“ zu bitten. „Die Stadtverordnetenversammlung kann keine Haushaltsperre erlassen. Dies obliegt nach der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) ausschließlich dem Magistrat oder dem Bürgermeister. Außerdem wird der Haushalt 2016 erst noch beschlossen“, stellte Seitz fest. „Das gestern war ein bisschen zuviel des Guten. Ein kurzer Blick in die HGO hätte viele Irritationen vermieden“, so der Stadtverordnetenvorsteher weiter.

Seitz, der von Thomas Handke launig als „ein alter Wessi“ vorgestellt wurde, hatte sich das erste Kapitel aus Brussigs Erfolgsroman, den er nach eigenem Bekunden bereits 2001 gelesen hatte, als Vorlesestoff ausgesucht. Unter der Überschrift „Churchills kurzer Stumpen“ konnten die zahlreich erschienenen Bücherfreunde erfahren, wie es überhaupt dazu kam, dass das kürzere Ende der Sonnenallee, bei dem die niedrigste Hausnummer 379 lautete, bei der Aufteilung Berlins dem sowjetischen Sektor zugeschlagen wurde.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Helgo Hahn, der auf dem Piano auch heute noch Gänsehaut erzeugende Lieder aus der Zeit des Mauerfalls wie „Über sieben Brücken musst du gehn“ oder „Wind of Change“ spielte. Mit dem laut Helgo Hahn schönsten Friedenslied überhaupt, John Lennons „Imagine“, endete die Veranstaltung. (tl)

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