Riesenrad-Interview mit den Landrats-Kandidaten: Heute mit Elke Künholz (SPD)

Aufstieg trotz Höhenangst

Sie lächelt tapfer trotz Höhenangst: die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Die Sozialdemokratin will im März 2015 Nachfolgerin von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt werden. Foto: Struthoff

Frau Künholz, Sie leiden unter Höhenangst und trotzdem fahren Sie tapfer mit uns Riesenrad. Wie geht es Ihnen jetzt?

Elke Künholz: Noch ganz gut, weil wir uns erst auf dem Weg nach oben befinden. Ansonsten schaue ich einfach Sie an, vielleicht auch raus, aber bestimmt nicht nach unten.

Trotz Höhenangst wollen Sie beruflich hoch hinaus. Haben Sie keine Angst vor der Fallhöhe als Landrätin?

Künholz: Die Fallhöhe habe ich als Sozialdezernentin schon ausreichend kennengelernt. Ich bin für die Bereiche zuständig, die Geld kosten, die unangenehm sind und Ärger mit sich bringen. Deshalb würde ich mich freuen, als Landrätin auch für andere Bereiche zuständig zu sein, die ich bislang nur vertretungsweise regeln durfte.

Sie sind die einzige Frau im Bewerberfeld – ist das ein Vor- oder Nachteil?

Künholz: Das Geschlecht spielt heute keine so große Rolle mehr. Es gibt zwar bislang nur zwei weibliche Landräte in Hessen, aber warum soll es keine Dritte geben.

Von Nachteil könnte es aber sein, dass Sie bisher als Vize-Landrätin auch unpopuläre Entscheidungen treffen oder zumindest mittragen mussten?

Künholz: Ich glaube, die Menschen können unterscheiden zwischen dem, was notwendig ist, und wozu wir als Landkreis auch verpflichtet sind. Die Wähler wissen, dass jeder, der dieses Amt inne hat, diese Entscheidungen genauso hätte treffen müssen.

Sie haben bei Ihrer Nominierung „Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit“ in der Führungsriege des Landratsamtes beklagt. Was meinen Sie damit?

Künholz: Brüssel, Berlin und Wiesbaden sind schöne Städte, aber die Arbeit muss hier im Landkreis gemacht werden. Ein Landrat muss mehr im Landkreis unterwegs sein, um zu erfahren, wo die Menschen der Schuh drückt.

Okay, aber was hat das mit Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit zu tun?

Künholz: Ich finde, dass Entscheidungen in der Vergangenheit häufig von oben nach unten getroffen wurden, ohne die Betroffenen im Landratsamt oder die beteiligten Institutionen ausreichend zu beteiligen. Selbstherrlich finde ich, dass viele Entscheidungen noch dazu im Alleingang getroffen wurden.

Wackeln also im Falle Ihrer Wahl Stühle im Landratsamt?

Künholz: Sollte ich Landrätin werden, würde ich Geschäftsbereiche wieder zusammenführen, die Dr. Schmidt getrennt hat. So ist es unsäglich, dass das Immobilienmanagement von der Schulverwaltung abgetrennt wurde, denn beide müssen, vor allem bei der Umsetzung der Inklusion, eng Hand in Hand arbeiten.

Welche thematischen Schwerpunkte wollen Sie im Wahlkampf setzen?

Künholz: Die touristische Vermarktung des Landkreises ist zersplittert und hat keine Klammer mehr. Ich möchte den alten Begriff Waldhessen wieder stärken. In der Brüder-Grimm Heimat von Kassel bis Hanau sind wir nur ein kleines Licht. Die jetzt bestehenden unterschiedlichen touristischen Arbeitsgemeinschaften (TAG) brauchen wieder die Klammer Waldhessen, damit die Vielfalt der TAGs besser vermarktet werden kann.

Das ist aber wohl nicht der Schwerpunkt Ihres Wahlprogramms, oder?

Künholz: Nein. Die Sicherung der Zukunft des Landkreise in punkto Wirtschaft und Arbeitsplätze ist mein Schwerpunkt. Ich weiß durch enge Kontakte zur Kreishandwerkerschaft, dass viele Betriebe Nachfolger suchen, weil geeignete Fachkräfte vor Ort fehlen. Das muss sich ändern. Dazu müssen wir hier weiter ausbilden. Außerdem muss die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gestärkt werden, und einzelne Gewerbegebiete im Kreis müssen besser vermarktet werden.

Hauptthema des Wahlkampfes ist aber die Klinikfusion?

Künholz: Das ist sicher so. Deshalb frage ich auch überall die Menschen im Kreis, was sie erwarten und wollen. Wir müssen zwar in den Gremien eine Entscheidung treffen, aber nicht ohne die Bedenken und Wünsche der Menschen im Kreis, der Patienten, der Ärzte und des Pflegepersonals, zu berücksichtigen.

Es geht langsam wieder runter, Sie haben es gleich geschafft. Mit welchem Ihrer drei Mitbewerber würden Sie denn gern mal eine Runde Riesenrad fahren?

Künholz: Ich glaube jährlich eine Runde Riesenrad reicht mir völlig aus, aber die fahre ich sehr gern wieder mit Ihnen!

Von Kai A. Struthoff

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