Aufstand der Anständigen

Kai A. Struthoff

Das Thema Flüchtlinge beherrscht in diesem Sommer die Schlagzeilen, und es bewegt die Menschen – auch bei uns. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft, aber auch viele Fragen, Ängste, gewiss auch Vorurteile und natürlich handfeste Probleme. Deshalb dürfen auch wir von den Medien nicht in blauäugige Sozial-Romantik verfallen. Gleichwohl gilt es aber auch, der blindwütigen Hetze entgegen zu treten, die derzeit – leider auch bei uns – durch die sozialen Netze schwappt.

beeindruckt hat mich deshalb der mutige Kommentar der Kollegin Anja Reschke in den ARD-Tagesthemen, in dem sie einen „Aufstand der Anständigen“ gegen diese Hetze im Netz fordert. Sie hat Recht: Wir dürfen nicht ungerührt zusehen, wenn, meist unter dem Schutz der Anonymität, Menschen pauschal auf das Übelste diffamiert werden. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun!

Auch Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald hat sich in dieser Woche gegen die Hetze in sozialen Medien gewandt. Wer sich jetzt dort an den Asylbewerbern abarbeite, solle sich lieber konstruktiv in den Bürgerrunden einbringen, fordert er. Ich bin ganz sicher, dass auch bei uns die „Anständigen“ überwiegen. Deshalb dürfen wir dumpfe Parolen und dumme Sprüche nicht nur im Netz, sondern auch im privaten Umfeld, gar nicht erst zulassen.

Zu diesen „Anständigen“ gehören sicher auch die Mitglieder der Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg, die am Donnerstagabend in unserem Verlagshaus der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki gedachten. Es ist bedrückend, dass auch 70 Jahre nach diesem Grauen, Atomwaffen immer noch nicht geächtet sind. Ich erinnere mich noch gut an die großen Friedensdemonstrationen der 80er Jahre und die Blockaden der US-Stützpunkte. Auch heute lagern in Deutschland noch Atomwaffen, und weltweit ist die Gefahr eines Atomkriegs so groß wie schon lange nicht mehr. Deshalb verwundert es mich, dass nur eine Handvoll Menschen an der Mahnwache teilgenommen haben. Denn der Frieden muss weiterhin täglich verteidigt werden – im Inland wie im Ausland.

Für gute Arbeit anständig bezahlt werden, das wollen auch die Kali-Kumpel im Werra-Tal und proben deshalb den Aufstand – oder vielmehr den Austritt aus der Gewerkschaft IGBCE. Nachdem bei K+S ein neuer Entgelttarifvertrag eingeführt wurde, fehlen machen Beschäftigen plötzlich einige hundert Euro in der Tasche. Das tut weh. Und die Schuld dafür geben die Kumpel offenbar ihrer Gewerkschaft. Wir hören, das sich deshalb in den letzten Woche die Austritte häufen sollen.

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