SPD ehrt den Widerstandskämpfer Michael Schnabrich / Parteihaus umbenannt

Ein aufrechter Demokrat

Ehrten Michael Schnabrich: Landtagsabgeordneter Dieter Franz, DGB-Chef Stefan Körzell, SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, MdB Michael Roth und Erster Stadtrat Lothar Seitz (von links).

Bad Hersfeld. Die Parteizentrale der Kreis-SPD in der Bad Hersfelder Bahnhofstraße heißt jetzt Michael-Schnabrich-Haus. Die Sozialdemokraten ehren damit den Hersfelder Gewerkschafter und SPD-Reichstagsabgeordneten, der im Jahr 1939 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin ermordet wurde. Am vergangenen Freitag, dem 130. Geburtstag Schnabrichs, fand deshalb eine Feierstunde statt, bei der eine Gedenktafel enthüllt wurde.

An dem Festakt nahmen neben dem SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth auch der hessische SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel und der hessische DGB-Chef Stefan Körzell sowie Kommunalpolitiker nicht nur der SPD, sondern auch der Grünen und der Linken teil.

Schwieriges Gedenken

Roth erinnerte an die 150-jährige „ereignisreiche und wirkungsmächtige“ Geschichte der SPD. „Wir stehen nicht nur für Hartz IV und den Afghanistan-Krieg“, sondern die Partei habe sich stets wie auch im Dritten Reich gegen Diktatur und Krieg gestemmt. „Politik macht nicht nur Spaß, manchmal geht es um Leben und Tod“ wie für den Widerstandskämpfer Schnabrich, der für seine politische Überzeugung sein Leben ließ.

Stefan Körzell sagte: „Es war schwierig, in dieser Stadt Michael Schnabrich so zu ehren, wie es ihm gebührt.“ Erst viele Jahre nach dem Krieg sei eine Straße nach Michael Schnabrich benannt worden, weitere Jahre vergingen, bis auch eine Tafel angebracht wurde, die erklärte, wer Schnabrich war. In der Hersfelder Bevölkerung habe es damals sogar Proteste gegen die Umbenennung gegeben. Körzell sagte, er sei froh, dass Michael Schnabrich nun zu seinem 130. Geburtstag noch einmal geehrt werde. „Michael Schnabrich ist für das gestorben, woran er geglaubt und wofür er gekämpft hat.“

SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel nannte Schnabrich einen „aufrechten Demokraten, der nicht nur in Sonntagsreden für seine Überzeugungen eintrat.“ Er habe bis zuletzt im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz gekämpft und Nein zum Faschismus gesagt. Schäfer-Gümbel mahnte aber auch, dass die Demokratie heute wieder sehr wachsam sein müsse.

Immer mehr Menschen bezeichneten sich heute selbst als anti-demokratisch, und die Gewalttaten von Rechtsextremisten, wie etwa im Schwalm-Eder-Kreis, geben Anlass zu größter Besorgnis. Gerade deshalb dürfe nicht an Jugendarbeit und Prävention gespart werden.

„Wir müssen aufmerksam sein“, sagte Schäfer-Gümbel, diese Verpflichtung sei auch mit dem Namen Michael Schnabrich verbunden.

Von Kai A. Struthoff

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