Weniger Jugendliche werden schwanger – Beratung erreicht verzweifelte Frauen kaum

Aufklärung baut Tabus ab

Sabine Koch

Hersfeld-Rotenburg. Nachrichten von Kindstötungen sorgen immer wieder für Erschütterung. Tatsächlich ist die Zahl dieser tragischen Fälle jedoch rückläufig. Und auch Schwangerschaften bei Jugendlichen werden weniger, berichten die Beratungsstellen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Anfang Dezember wurde ein tot geborenes Kind an einer Landstraße bei Grebenstein (Kreis Kassel) gefunden. Die Polizei ist noch immer auf der Suche nach der Mutter. Wenige Wochen zuvor hatte der Fall einer 16-Jährigen aus Nidda (Main-Kinzig-Kreis) für Aufsehen gesorgt, die ihr Kind in einem Schuppen zur Welt brachte. Das Baby wurde später tot in einem Koffer gefunden.

Traurige Einzelfälle

Dabei handele es sich aber um traurige Einzelfälle, die sogar weniger werden, sagt Sabine Koch, Geschäftsführerin der Pro-Familia-Beratungsstelle aus Bad Hersfeld. Auch die Zahl der Jugendlichen, die schwanger würden, sei rückläufig. „Die sexuelle Aufklärung hat viele erreicht, sodass ungewollte Schwangerschaften rückläufig sind“, sagt auch Michael Adam, Sprecher des Landkreises Hersfeld-Rotenburg.

„Es hat sich einiges in der Gesellschaft verändert“, sagt Koch. Heute sei ein offener Umgang mit Themen wie Schwangerschaften bei Jugendlichen und selbst Abtreibung möglich. „Es ist nicht mehr so tabuisiert“, sagt Koch.

Junge Frauen, die kurz vor der Niederkunft an ihrer Lage verzweifeln, würden von den Beratungsangeboten jedoch kaum erreicht. „Wer in tiefer Not steckt, der kommt nicht mehr auf die Idee, um Hilfe zu bitten“, sagt Koch, die 25 Jahre Erfahrung in der Schwangerschaftsberatung hat.

Das bestätigen auch die Mitarbeiterinnen des Allgemeinen Sozialen Dienstes beim Jugendamt des Landkreises: Sie hatten bislang keinen Kontakt zu Schwangeren, die derart verzweifelt wären, dass sie selbst das Schlimmste in Erwägung ziehen. „Das sind eher diejenigen Frauen, die aller Kommunikation aus dem Weg gehen, die sehr einsam und allein sind“, sagt Adam.

Frauen, die die Beratungsangebote von Pro Familia und anderen Einrichtungen in Anspruch nehmen, kämen üblicherweise an einem früheren Punkt in der Schwangerschaft, sagt Koch. Wer spät komme, wolle meist einen Antrag auf Erstausstattung stellen.

Pro Familia bietet auch die Möglichkeit einer anonymen Beratung. „Wir wollen diesen Frauen alles an die Hand geben, damit sie ihre Probleme lösen können“, sagt Koch.

Von Marcus Janz

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