Kabarettistin Heidi Friedrich mischte das Publikum im Bad Hersfelder Buchcafé auf

Die aufgedrehte Spottdrossel

Aufgedreht und rastlos: H. H. Friedrich gestikuliert in „Kolibri-Geschwindigkeit“.Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Die Bamberger Komödiantin Heidi Friedrich ist ein echtes Energiebündel. Geradezu legendär sind ihre extatischen Tanzeinlagen, aber ihr aktuelles Programm „push up“ hat natürlich deutlich mehr als nur platten Klamauk zu bieten.

Bei ihrem Auftritt am Vorabend zum Muttertag im Bad Hersfelder Buchcafé entlarvte die preisgekrönte Kabarettistin lustvoll alltägliche Banalitäten.

Sie erklärt humorvoll neudeutsche Anglizismen aus der Welt der Mode wie etwa „down-dressing“ und besingt in einem ihrer Liedbeiträge die heutzutage komplett vertauschten Geschlechterrollen beim Klamottenkauf.

Auch typisch neuzeitliche Gesellschaftsphänomene wie WM-Auto-Korsos und lärmende Horden betrunkener Menschen, die öffentlich einen Junggesellenabschied zelebrieren, sind Heidi Friedrich einen humoristischen Seitenhieb wert. Besonders haben es ihr die Heckscheibenbeschriftungen der „Generation Praktikum“ angetan: Hier tragen die Fahrzeughalter Privates in die Öffentlichkeit, ohne zu realisieren, dass es wirklich niemanden interessiert, ob man beispielsweise 2009 das Abitur geschafft hat.

Voll die Vogelwelt

Auch mit ihrer eigenen Generation geht Heidi Friedrich nicht gerade zimperlich um. „Feng-Shui-Schnepfen“ und „Stockenten“ (Nordic-Walkerinnen) bieten ihr reichlich Angriffsfläche und sie kommt zu der tiefgreifenden Erkenntnis, dass „innere Leere der ideale Resonanzraum für einen Meditationsgong ist“ .

Einen weiteren Programmschwerpunkt in Heidi Friedrichs Darbietung bildet das marode Gesundheitswesen in Deutschland. Welche extremen Auswüchse eine Zwei-Klassen-Medizin bekommen könnte, zeigte Heidi Friedrich auf höchst amüsante Weise am Beispiel einer unmotivierten Call-Center-Telefonistin für die bayrische Bergwacht. Hier brach das Publikum im bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal ob der hervorragenden Darbietung in besonders lautes Gelächter aus.

Auch für Tabuthemen wie etwa Erbschaftsstreitigkeiten und das katholische Beichtgeheimnis hatte Heidi Friedrich noch Platz in ihrem zweistündigen Programm.

Gegen Anfälle von Altersfrustration hat Heidi Friedrich übrigens eine einfache, aber wirksame Methode entwickelt. Sie begibt sich einfach in die Gesellschaft deutlich älterer Menschen. Auf einer Ü70-Schiffskreuzfahrt beispielsweise ist sie mit ihren rund fünfzig Jahren immer noch das „Küken“ an Bord.

VON Werner Rödiger

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