Nach dem Tod ihres Mannes kämpfte Mechthild Struß um die Zukunft der Kinderarztpraxis

Nie ans Aufgeben gedacht

Zuversichtlich nach schwerer Zeit: Das Team der Kinderarztpraxis Struß mit (von links) Dr. Jutta Apel, Heike Nuhn, Mechthild Struß und Sandra Raabe. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Für Generationen von Eltern in Bad Hersfeld war und ist die Kinderarztpraxis in der Nachtigallenstraße 6 eine feste Größe. Der plötzliche Tod des Arztes und Psychologen Christian Struß (64) vor gut einem Jahr war deshalb nicht nur ein Schicksalsschlag für seine Familie, sondern stellte auch die Zukunft der gesamten Praxis in Frage. Die stand von einem Tag auf den anderen ohne ihren Kopf da, auch wenn Struß’ Ehefrau als Sprachheillehrerin mit im Team war.

Ans Aufgeben habe sie jedoch keine Sekunde gedacht, sagt Mechthild Struß heute. „Ich musste funktionieren, musste schauen, wie es weitergeht“, erinnert sie sich an die erste Zeit nach dem schweren Verlust.

Und es ging weiter. Die Kinderärztin Dagmar Ruppin, die im Jahr zuvor in den Ruhestand gegangen war, sagte spontan zu, in der Praxis Struß auszuhelfen. Zunächst für ein halbes Jahr als sogenannte Notbeauftragung durch die Kassenärztliche Vereinigung, und dann darüber hinaus, wenn sie gebraucht wurde.

Nette Begegnungen

Auf der Suche nach weiteren Vertretungen und einer potenziellen Dauerlösung für den Fortbestand der Praxis telefonierte sich Mechthild Struß fortan die Finger wund. „Viele Kollegen waren ausgebucht, manche hatten überzogene finanzielle Vorstellungen und immer weniger Ärzte wollen sich niederlassen.“ Aber immer wieder habe es auch sehr nette Begegnungen gegeben mit Ärzten, die gerne einmal zur Stippvisite nach Bad Hersfeld kamen.

Treu geblieben

Ganz erstaunlich findet sie auch, dass ein Großteil der Patienten der Praxis treu geblieben ist. Abgesehen von den wechselnden Ärzten trafen Eltern und Kinder dort auf das bewährte Team, das mit der Chefin gemeinsam durchhielt.

Mechthild Struß wurde jedoch schnell klar, dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ihres Mannes mit der Region verbunden sein müsse. „Aus Frankfurt kommt keiner hierher“, hat sie erkennen müssen.

Und es fand sich jemand, der sich auf die ausgeschriebene Stelle bewarb. Eine Frau mit Wurzeln aus Bad Hersfeld, die im Januar anfangen sollte. Doch wenige Tage vor dem geplanten Einstieg sagte die Ärztin ab.

Angst vor eigener Courage

„Vielleicht hatte sie Angst vor der eigenen Courage“, mutmaßt Mechthild Struß, die nun mit der Suche wieder von vorne beginnen musste – aber diesmal schnell Erfolg hatte.

Mit Dr. Jutta Appel kümmert sich seit einigen Wochen eine junge Frau um die kranken Kinder, zunächst wieder mit Notbeauftragung für ein halbes Jahr, aber möglicherweise dann auch für länger: Damit die Nachtigallenstraße 6 weiter eine erste Adresse für die jüngsten Patienten bleibt.

Von Karl Schönholtz

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