Yalcin Solak ist der neue Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins

Aufeinander zugehen

Ein Bild mit Symbolcharakter. Am neuen Rednerpult, das Yalcin Solak (links) gemeinsam mit einem deutschen Kollegen selbst gebaut hat, spricht der Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins mit dem evangelischen Pfarrer Weber aus Raboldshausen.

Bad Hersfeld. Offenheit und Dialog – das sind Yalcin Solak ganz wichtige Anliegen. Seit März ist der 44-Jährige aus Heringen der neue Vorsitzende des Vorstands des türkisch-islamischen Vereins in Bad Hersfeld, der Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet betreut.

„Wir wollen uns nicht abschotten“, sagt Solak. „Wir wollen und müssen uns integrieren.“ Mit sehr viel Energie setzt er sich dafür ein, dass das von Seiten seiner Gemeinde auch passiert. Das wurde bei dem türkischen Kulturfest deutlich, das die Gemeinde kürzlich organisiert hat. Erstmals war das Fest verbunden mit einem Tag der offenen Tür in der Moschee. „Das ist sehr gut angenommen worden“, freut sich Solak. Die Gemeinde hat extra drei Jugendliche schulen lassen, damit sie den Gästen ganz genau erklären konnten, was in der Moschee passiert und wie der Islam funktioniert.

Austausch mit Christen

Solak freut sich auch, dass es inzwischen Kontakt und gegenseitigen Austausch mit christlichen Gemeinden gibt. Eine Abordnung seiner Gemeinde hat vor kurzem die evangelische Gemeinde in Raboldshausen besucht und dort einen Familiengottesdienst miterlebt, Pfarrer Weber und einige Raboldshäuser Christen waren auf dem türkischen Fest zu Gast.

Auch in Heringen, seinem Wohnort, hat Solak bereits Kontakt mit der evangelischen Kirche aufgenommen. „Wir sind offen für alle anderen Religionen“, betont er, Feindschaften gebe es nicht. Yalcin Solaks Hauptziel ist es zu zeigen, „dass Islam Frieden heißt, dass wir in friedlicher Absicht Aufgaben in und um Bad Hersfeld wahrnehmen.“

Yalcin Solak wünscht sich, dass das Verhältnis zu den „deutschen Freunden“ noch besser wird, dass beide Seiten noch offener werden und mehr aufeinander zugehen.

Deshalb war er ein wenig enttäuscht, dass so wenige Politiker der Einladung zu dem Fest gefolgt sein. Die SPD habe wenigstens abgesagt, von der CDU habe er gar nichts gehört, bedauert Solak, und das, obwohl das Fest praktisch vor den Fenstern der CDU-Geschäftsstelle stattfand. Auch Bürgermeister Fehling vermisste er bei dem Fest, die Stadt wurde aber immerhin von Stadtrat Hans-Georg Vierheller (FWG) vertreten. „Wir freuen uns auf Zeichen des guten Willens seitens der Politik, auf offene Arme“, gibt der gebürtige Türke seiner Hoffnung Ausdruck. „Ich wünsche mir noch mehr Interesse, Verständnis und Dialog.“

Ein wichtiges Anliegen seines Vereins ist für Solak auch die Jugendarbeit. Durch attraktive Angebote für junge Menschen soll verhindert werden, dass sie auf die schiefe Bahn geraten. „Wir wollen die Jugend mehr an die Moschee binden. Wer an der Religion festhält, kommt von den schlechten Gedanken weg“, sagt Solak.

Auf der Suche

Auch Frauengruppen bietet der Verein an. Dafür benötigt er dringend mehr Platz. Ein Container im Hof soll erst einmal Abhilfe schaffen, doch eigentlich sucht der türkisch-islamische Verein ein größeres Gebäude in Stadtnähe, das ausreichend Raum für die Gebete, den Koranunterricht, Jugend-, Frauen- und Seniorenarbeit bietet.

Wer sich für die Arbeit des Vereins und der Gemeinde interessiert ist jederzeit willkommen: Kontakt: Tel. 0162/9225396.

Von Christine Zacharias

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