Schläge im Disco-Bus: 20-jähriger Hersfelder muss 2000 Euro an das Opfer bezahlen

Auch der Täter bekam was ab

Bad Hersfeld. Die Eltern des Angeklagten sind gestrafte Leute. Vor fünf Jahren wurde ihre damals 13-jährige Tochter vergewaltigt. Das Strafverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen, weil der in erster Instanz verurteilte Täter in die Berufung gegangen ist. Eine große Belastung für die ganze Familie.

Seit geraumer Zeit macht den Eltern nun auch ihr heute 20 Jahre alter Sohn zu schaffen. Der Azubi macht seiner Wut über diese unbefriedigende Situation immer wieder mal durch Gewaltausbrüche Luft und stand deshalb schon zweimal vor Gericht.

Über einen dritten Fall musste gestern das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Dr. Rolf Schwarz entscheiden. Leidtragender war am 12. Dezember vergangenen Jahres ein 21-jähriger Fahrgast eines Disco-Shuttle-Busses gewesen, dem der angetrunkene Hersfelder mehrere massive Faustschläge auf die Augen verpasste.

Einen nachvollziehbaren Anlass für die Attacke gab es nicht. Zwar hatte sich das spätere Opfer wohl Pöbeleien aus der der rechten Szene zuzuordnenden Gruppe des Hersfelders verbeten, doch selbst aus Sicht des Angeklagten waren die Schläge dadurch nicht zu rechtfertigen. Der 21-Jährige hatte nachher sogenannte Monokelhämatome (ringförmige Blutergüsse) an den Augen, außerdem musste ein Riss in einer Braue genäht werden.

Doch auch der Hersfelder kam nicht schmerzfrei davon: Durch die Wucht der Schläge hatte er sich zwei Mittelhandknochen gebrochen und war acht Wochen arbeitsunfähig.

Wohl auf Anraten seiner Verteidigerin, der Rechtsanwältin Margit Guy, legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Nur zu einer rechten Gesinnung mochte er sich nicht bekennen und beteuerte, sich von den damaligen Freunden distanziert zu haben.

Wie der Hersfelder zu bestrafen war, brauchte das Gericht nicht lange zu überlegen: Bereits im Vorfeld der Verhandlung hatte ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden, bei dem sich beide Beteiligte ausgesprochen hatten und der Geschlagene die Entschuldigung des Schlägers annahm.

Der wurde nun vom Gericht verwarnt. Er muss 2000 Euro an den Geschädigten bezahlen und 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Außerdem wurde er zur Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining verpflichtet. So hatte es die Jugendgerichtshilfe vorgeschlagen und Staatsanwaltschaft wie Verteidigung beantragt.

Das Urteil wurde im Einverständnis aller Beteiligten sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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