Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker erklärte die Welt vom Gartenstuhl aus

Mit atemberaubender Logik

Kosmopolit auf dem Gartenstuhl: Gerd Dudenhöffer als Heinz Becker in der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker gab, auf dem Gartenstuhl sitzend, den Weltbürger, als er am Freitag vor ausverkauftem Haus in der Bad Hersfelder Stadthalle auftrat. Schließlich heißt das mittlerweile 13. Bühnenprogramm des Parade-Dummschwätzers „Kosmopolit“. Aber auch in dieser Rolle hält sich Heinz Becker strikt an den Rat seines Vaters: „Guck’ nicht über den Tellerrand, da zieht’s.“

Domina-Effekt

Mit atemberaubender Logik sieht er einen Zusammenhang zwischen einem dusseligen Kundendienstler für Wäschetrockner und der „zusammenbrechenden Wirtschaftskrise“ durch den „Domina-Effekt“. Dann steuert er auch gleich sein Fachwissen bei. Leitzins heiße es nur, „ajo, weil am letschte End‘ de Leit des alles bezahle“.

Banker und Terroristen werden von dem Saarländer in einen Sack geschmissen und Boni-Fatius als Schutzpatron der Manager vorgestellt. Trocken und lakonisch bringt er seine Verschwörungstheorien auf den Punkt. Einige Male überschreitet er dabei Grenzen, und dem Publikum bleibt dann und wann das Lachen im Halse stecken. Besonders, wenn der immer wieder bei Becker latent vorhandene Rassismus und die Frauenfeindlichkeit zur Sprache kommen.

Der behäbige saarländische Dialekt nimmt etwas die Schärfe, wenn Spießbürger Becker über „Neger“, Juden, Armut, Arbeitslose, Sextourismus, den Mauerfall, einen Schäferhund namens B-Dolf und Thilo Sarrazin spricht.

Ihm gelingt es sogar, einen Bogen von „Guantanamera“ – dem kubanischen Ausbildungslager – zur deutschen Gastlichkeit zu schlagen. Das Publikum erfährt aber auch alle Neuigkeiten aus Bexbach, wo er mit Ehefrau Hilde und Sohn Stefan wohnt, seine bescheidenen handwerklichen Fähigkeiten nutzt und besonders gern in seine Stammkneipe, das „Eckstübbche“, geht.

Zuletzt haben er und seine Kumpels sich über „mehrere Stellungen“ unterhalten. „Krankhafte Fantasien“ nennt Becker die Verrenkungen und hält die für überflüssig: „Da trifft man doch nicht“.

Das Thema beschäftigt ihn, und er verrät, dass sein Vater mit ihm über Kondome geredet hat, als er schon verheiratet war. Viele Gedanken macht er sich auch über die künstliche Befruchtung, die ja „keine Erzeugerabfüllung“ ist.

Gekonnt gesetzte Kunstpausen, das Ringen nach den richtigen Worten und sparsam eingesetzte Gesten vervollständigen die Kunstfigur Heinz Becker. Kräftigen Applaus gab es für einen Kabarettisten mit dem sensiblen Ohr unmittelbar an Volkes Stammtisch.

Von Gudrun Schmidl

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