Aus für Asbachs Kirmes – ein Stück Seele stirbt

Markus Pfromm

Tradition! Das ist es, was im Stiftsruinen-Musical die Menschen in Anatevka zusammenhält und was ihnen Hoffnung gibt. Tradition, das ist auch das Feiern der Kirmes in unseren Dörfern. Gewiss, trefflich ließe sich darüber streiten, wie viel der verklärt beschworenen Dorfkultur tatsächlich noch vorhanden ist. Kommerz, überzogener Alkoholkonsum und manchmal leider auch Gewalt überschatten manche Kirmes. Doch das zentrale Fest im Dorf, die Kirmes, sie stiftet doch noch immer auch Identität. Sie bringt an manchen Dorfabenden die Generationen zusammen und vermittelt zumindest oberflächlich den Eindruck von Zusammenhalt und Geborgenheit.

In Asbach könnte diese lange Tradition nun zu Ende sein. Erstmals wird es in einem der größten Dörfer der Region in diesem Jahr keine Kirmes mehr geben. Dabei hatte die Asbacher Kirmes einmal Kultstatus. Die Gründe für den Niedergang sind augenscheinlich vielschichtig. Die Mobilisierung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Veranstalter lässt nach. Erfahrungen mit zermürbenden Auseinandersetzungen wegen vermeintlicher Ruhestörung haben den Kirmesmädchen und Kirmesburschen verständlicherweise zuletzt die Freude vermiest. Vielleicht wurde deren Arbeit auch allgemein nicht hinlänglich gewürdigt. Wie dem auch sei. Aus, vorbei. Und eine Tradition, die unterbrochen wird, kann nun für immer erloschen sein.

Ein Stück Seele im Dorf stirbt also ab. Ohne die Kirmes – und wie sie zuletzt gefeiert wurde – überhöhen zu wollen: Wer die Form verlässt, wer Traditionen aufgibt, der braucht sich über eine beschleunigte Vereinzelung nicht zu wundern. Was wird aus der Lebensgemeinschaft Dorf? Eine Vorort-Tristesse? Ich mag das Glas noch immer halbvoll sehen. Mit Leben randvoll ist es aber nicht mehr gefüllt. Asbach steht für viele Dörfer in unserer schönen Heimat. Halten wir an ihr und an unseren Traditionen fest.

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