Montagsinterview mit dem Dehoga-Vorsitzenden Hanns-Karl Madelung

Anwerbung wäre Novum

Sagt, was er denkt: Hanns-Karl Madelung, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, vor seinem Betrieb, dem Landhotel in Kirchheim. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Der Tourismus im Landkreis Hersfeld-Rotenburg boomt, doch viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt – trotz Lehrstellenmangels. Über diesen Widerspruch, denkbare Problemlösungen und die aktuelle Situation sprachen wir mit Hanns-Karl Madelung, dem Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes Waldhessen.

Herr Madelung, wieso findet Ihre Branche keinen Nachwuchs?

Hanns-Karl Madelung: Das wüsste ich auch gerne. Ich weiß von einem Betrieb aus Rotenburg, der sucht drei Auszubildende, ich weiß von Hersfelder Betrieben, die suchen. Aber wir finden einfach keine. Die jungen Leute müssen natürlich auch ausbildungsfähig und gewillt sein, den nicht ganz einfachen Weg in der Gastronomie und Hotellerie zu gehen. Viele haben überhaupt keine Vorstellung, was man für Möglichkeiten hat, nach oben zu kommen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass für viele Junge die Arbeitszeiten in der Gastronomie unattraktiv sind. Und der andere Punkt ist das Gehaltsniveau. Wie sehen Sie das?

Madelung: Die Arbeitszeiten sind natürlich anders als beim Finanzamt. Man muss ein bisschen flexibel sein. Jeder junge Mensch möchte gerne mal feiern und erwartet dann auch, dass ihn andere Leute bedienen und bekochen. Was die Ausbildungsvergütung betrifft, die ist enorm gestiegen. Und ich weiß von Großbetrieben, die ihrem „Auszubildenden des Monates“ ein Kult-Auto wie den Mini zur Verfügung stellen. Es gibt also immer wieder Anreize für junge Leute.

Was können Sie konkret tun, um die offenen Stellen zu besetzen?

Madelung: Ich überlege wirklich schon, ob wir uns mit ausländischen Agenturen in Verbindung setzen, um beispielsweise junge Leute aus Spanien nach Deutschland zu holen, um die Misere zu beheben. Die haben dort eine Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent.

Ganz ungewöhnlich wäre ein solcher Schritt in der Branche nicht ...

Madelung: Das hat es schon immer gegeben, aber die gezielte Anwerbung wäre ein Novum.

Der Landkreis erlebt zurzeit einen Tourismus-Boom. Spüren Sie das auch?

Madelung: Typische Urlaubshotels spüren das natürlich. Unser Haus ist zwar eher für Stopover-Gäste konzipiert, doch wir merken das auch. Wir haben im Moment einen Bus mit 56 Gästen aus Dänemark hier, die vier Tage in der Region bleiben.

Wie kann man das hohe Niveau halten?

Madelung: Man darf in der Qualität nicht nachlassen und muss hohen Standard anbieten – zu einem vernünftigen Preis. Der muss eine gewisse Marge beinhalten, damit der Anbieter sein Haus in Schuss halten und das Personal vernünftig bezahlen kann. Das ist dann wieder ein Rattenschwanz, denn wenn ich meine Leute nicht gut bezahle, kriege ich keine...

... da wären wir dann wieder bei der ersten Frage ...

Madelung: Ja, dann kriege ich keine Auszubildenden. Denn das Entscheidende sind heute nicht mehr die Wareneinstandspreise, sondern die Personal- und die Energiekosten.

Reicht das Marketing der regionalen Verbände aus? Greift das Ihrer Ansicht nach?

Madelung: Ja, das greift schon. Aber es ist ja bekannt, dass ich nicht sehr glücklich bin über den Verbund zur GrimmHeimat Nordhessen. Mir wäre Waldhessen (früherer Begriff für die Tourismusregion Hersfeld-Rotenburg, Anm. d. Red.) lieber gewesen. Das wäre auch eine ganz andere Aussage gewesen, denn wir sind nun einmal ein waldreiches Gebiet. Und wenn argumentiert wird, Waldhessen sei ein Kunstname, sage ich nur, dass auch der Schwarzwald früher Kunstname war. Der hat sich dann eingebürgert. So gesehen hätte man Waldhessen etwas mehr Zeit geben müssen.

Wir, die wir hier zu Hause sind, wissen, wie schön Waldhessen ist. Aber haben Sie als Fachmann einen Tipp, wo der Waldhesse unbedingt einmal hinfahren sollte?

Madelung: Auf jeden Fall sollte er Point Alpha besichtigen. Das ist ein absolutes Muss, um die jüngere deutsche Geschichte hautnah zu erleben.

Von Karl Schönholtz

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