Der Prozess gegen Beschuldigte im Obdachlosenmordfall beginnt am Donnerstag

Anwalt: Keine Mordlust

Abgesperrt: In der Nacht zum 12. Februar ist am Bad Hersfelder Bahnhof ein Obdachloser zu Tode geprügelt worden. Während der Spurensuche war das Gebäude verschlossen. Foto: Reymond

Bad Hersfeld. Ein 22-Jähriger aus Bad Hersfeld und ein 23-jähriger Italiener müssen sich ab Donnerstag vor dem Landgericht Fulda verantworten. Beiden wird zur Last gelegt, in der Nacht zum 12. Februar diesen Jahres in der Wartehalle des Bad Hersfelder Bahnhofs einen schlafenden Obdachlosen zu Tode geprügelt und getreten zu haben.

Ein Beamter der Bundespolizei hatte die Leiche des 47-jährigen Carsten F. auf dem Weg zum Dienst entdeckt. Noch in der Tatnacht waren die beiden Tatverdächtigen Pierre S. und Andrea R., die ebenfalls aus dem Obdachlosenmilieu kommen, festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Angeklagten vor, Carsten F. in der Absicht ihn zu töten mit Faustschlägen und Tritten misshandelt und verletzt zu haben. Unter anderem sollen die Männer gegen den Kopf des Opfers wie gegen einen Fußball getreten haben.

Der Obdachlose erlitt Brüche des Zungen- und Kehlkopfbeins und starb noch am Tatort.

Angeklagte äußern sich nicht

Was genau in der Tatnacht passiert ist, dazu werden sich beide Angeklagte zunächst nicht äußern. Das kündigten beide Verteidiger, die Bad Hersfelder Rechtsanwälte Jochen Kreissl und Daniela Morbach von der gleichnamigen Rechtsanwaltskanzlei gegenüber unserer Zeitung an.

Videobericht

Zunächst solle ein noch ausstehendes Spurengutachten abgewartet werden, erläuterte Jochen Kreissl, der den 22-Jährigen Pierre S. vertritt. Anhand von Fußspuren im Blut solle geklärt werden, welcher der beiden Angeklagten zuletzt zugetreten habe.

Sein Mandant werde vom Mitangeklagten belastet, sagt Kreissl. Grundsätzlich bestreite der 22-Jährige, aus Lust am Töten gehandelt zu haben, wie es die Staatsanwaltschaft beiden zum Tatzeitpunkt stark alkoholisierten Angeklagten vorwirft. Es lasse sich nicht wegdiskutieren, dass es eine Schlägerei gab an deren Ende ein Toter auf dem Boden gelegen habe. „Er hat ihn aber nicht töten wollen“, sagt Kreissl über seinen Mandanten.

Insgesamt zehn Prozesstage hat das Gericht vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach Anfang Oktober fallen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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