Von Anwälten, Ausfällen und einem Schmierfink

Karl Schönholtz

350 000 Euro muss die Stadt Bad Hersfeld nicht ganz unerwartet bei den Festspielen nachschießen. In weiser Voraussicht hat Bürgermeister Thomas Fehling deswegen bereits im Juni eine Haushaltssperre erlassen. Noch viel größeres Ungemach drohte dem städtischen Etat bei der Gewerbesteuer: Auf einen drohenden Ausfall von sage und schreibe drei Millionen Euro hatte Kämmerer Wilfried Herzberg im Frühsommer hingewiesen. Damit wäre der Haushalt nicht mehr zu stemmen gewesen. Doch mittlerweile sind die Mienen im Rathaus etwas entspannter. Entwarnung will Fehling zwar noch nicht geben, doch verdichtet haben sich die düsteren Prophezeiungen bisher auch nicht.

Seit Monaten bekommen wir in der Redaktion, ebenso wie viele andere Menschen in unserem Kreis, Post von einem rechtslastigen Schmierfinken. An „Bad Hersfeld an der türkischen Adria“ sind seine Pamphlete adressiert. Erst kürzlich erhielt unsere Volontärin einen Brief, nachdem sie über den Ramadan geschrieben hatte. Wir hatten deshalb Anzeige wegen Volksverhetzung bei der Polizei gestellt. Leider ist das Verfahren jetzt eingestellt worden, weil der Übeltäter nicht zu ermitteln ist. Schade.

Es fällt auf, dass Rechtsanwälte aus Bad Hersfeld und Umgebung mit ihrer Arbeit in letzter Zeit öfters auch bundesweit für Schlagzeilen sorgen. Aktuell verteidigt der Arbeitsrechts-Experte Frank Jansen vor dem Landgericht in Stade einen Mitarbeiter der Deutschen Bank aus Buxtehude, dem vorgeworfen wird, acht Millionen Euro veruntreut zu haben. Der Angeklagte ist geständig, will aber nachweisen, dass er zum einen spielsüchtig war und zum anderen mit Spielgewinnen die Anlageverluste seiner Kunden ausgleichen wollte. In dem Prozess will Anwalt Jansen die Kontrollmechanismen der Bank hinterfragen, aber auch auf den Druck hinweisen, der seiner Ansicht nach auf einfache Mitarbeiter beim Verkauf fragwürdiger Produkte ausgeübt wird. Über das Verfahren haben schon Medien wie SPIEGEL online, BILD.de und die FAZ berichtet.

Im SPIEGEL war vor wenigen Wochen auch über Jansens Kollegen Jochen Kreissl in einem großen Artikel zu lesen, der eine Frau aus dem Kreisgebiet vertreten hat, die nach künstlicher Befruchtung durch eine Verwechslung in einer Klinik ein fremdes Kind aufgezogen hat.

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