Anwälte, frühe Schwimmer und ein Schokoriegel

Christine Zacharias

Nicht nur eine Einbruchsserie musste das Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht klären, sondern auch die Frage, welcher Anwalt denn nun eigentlich für die Verteidigung der Angeklagten zuständig war. Als Pflichtverteidiger beauftragt worden waren Anwälte einer Bad Hersfelder Kanzlei. Für sie hatten die Angeklagten auch entsprechende Vollmachten unterschrieben.

In der Untersuchungshaft bekam der männliche Angeklagte nun allerdings von einem Mitgefangenen eine Frankfurter Kanzlei empfohlen. Der andere Untersuchungshäftling hatte auch praktischerweise nicht nur Visitenkärtchen des Anwalts parat, sondern gleich Formulare für entsprechende Vollmachten. Und nun gab es eben zwei Anwälte, die die Angeklagte vertreten wollten. Dem Vernehmen nach entwickelt sich diese Form der Klienten-Akquise von Frankfurter Kanzleien zunehmend zum Problem auch außerhalb der Mainmetropole.

Die Früh- und Spätschwimmer im Bad Hersfelder Freibad sind eigentlich als kampfbereites Völkchen bekannt. Wird etwas am bisher Gewohnten geändert, stehen sie sofort protestierend auf der Matte – egal ob es um die Öffnungszeiten, die Duschen oder die Wassertemperatur geht. Deshalb war es ein wenig verwunderlich, dass sich bisher so gar kein Protest gegen die geplanten Verkürzungen der Öffnungszeit im Geistalbad geregt hat. Doch nun, wo die Freibadsaison unaufhörlich näher rückt, formiert sich der Widerstand. Mehrere Unterschriftenlisten sind in Umlauf. Die einen bitten darum, am Samstag nicht erst um 9 Uhr zu öffnen, die anderen wollen gerne abends länger schwimmen, nähmen dafür aber eine Absenkung der Temperatur um ein Grad in Kauf. Auch Angebote, sich an den Pflegearbeiten im Bad zu beteiligen, um Kosten zu sparen soll es geben. Denn dass gespart werden muss, sehen auch die Schwimmer irgendwie ein.

Wetten sind eigentlich nicht die Sache meines Kollegen Jan Eisenberg; bei dieser sicheren Bank konnte er allerdings nicht widerstehen: Vor der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Niederaula hat er mit einem der Beteiligten gewettet, dass die Parlamentarier die Tagesordnung bis 23 Uhr nicht komplett abarbeiten. Der Einsatz war ein Schokoriegel, der mit dem Slogan „Wenn’s mal wieder länger dauert“ beworben wird. Seine Wettschuld hat der Unterlegene bei unserem Reporter schon während der Sitzungsunterbrechung eingelöst. Da waren die Gemeindevertreter erst bei Punkt sechs von 24.

Gestritten wurde in Niederaula darüber, ob die Kanaluntersuchungen durch ein weiteres Fachbüro analysiert werden sollen. In der Auseinandersetzung zwischen Bürgermeister und SPD auf der einen und dem Verein Bürger für Niederaula auf der anderen Seite wird der Ton rauher. Es geht um die Kostenbeteiligung der Bürger an den Baumaßnahmen und um die Frage, ob einmalige und wiederkehrende Straßenbeiträge gerechter sind. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Gemeindevertreter seien von Mitgliedern der Bürgerinitiative massiv unter Druck gesetzt worden. Und aus den Reihen der Bürger ist zu vernehmen, dass manch ein Gemeindevertreter doch sicherlich etwas zu verbergen habe. Beide Seiten werfen sich vor, doch nur auf den persönlichen Vorteil aus zu sein. Eine Spaltung der Gemeinde will eigentlich niemand. Doch genau die ist längst eingetreten.

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