HZ-Interview: Klinikum-Geschäftsführer Ködding über das Tauziehen um Akutbetten

Anträge stellen kann jeder

Martin Ködding (55) stammt aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg. Er arbeitet seit 1986 im Klinikum und ist dort seit 1996 Geschäftsführer.

Bad Hersfeld. Seit Wochen schwelt zwischen dem Klinikum Bad Hersfeld und dem Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg ein Streit um den Antrag für 40 Aktutbetten im Bereich der Psychosomatik. Das HKZ kritisiert, dass das Klinikum in diesem Bereich mit der Vogelsbergklinik kooperieren will. Zu diesem Konflikt befragten wir den Geschäftsführer des Klinikums Martin Ködding.

Herr Ködding, warum hat das Klinikum Bad Hersfeld die Akutpsychosomatik nicht gemeinsam mit dem HKZ in Rotenburg beantragt?

Martin Ködding: Das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg hat den Eindruck erweckt, als hätte das Klinikum 40 Betten, von denen es 20 jetzt in die Vogelsbergklinik abgibt. Richtig ist jedoch, dass sowohl für den Vogelsbergkreis als auch für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg jeweils 20 Betten beantragt wurden. Im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten, auch der Krankenkassen und der Versicherten, haben wir nun diese beiden ursprünglich getrennten Anträge der Vogelsbergklinik und des Klinikums Bad Hersfeld inhaltlich so abgestimmt, dass sich die Einrichtung im Vogelsbergkreis und die Einrichtung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg keine Konkurrenz machen.

Was heißt das genau?

Ködding: Das Versorgungsangebot wird inhaltlich abgestimmt und die Vogelsbergklinik in Grebenhain als psychosomatische Fachklinik kann in dieser Kooperation auf das große Allgemeinkrankenhaus in Bad Hersfeld zurückgreifen.

Warum hat dann das Herz- und Kreislaufzentrum überhaupt einen Antrag gestellt?

Ködding: Natürlich kann jedes Krankenhaus einen Antrag stellen. Der Krankenhausplan des Landes Hessen sieht jedoch vor, dass psychosomatische Akutkliniken in großen Allgemeinkrankenhäusern etabliert werden, die über ein breites Leistungs- und Fachgebietsspektrum verfügen. Diese Bedingungen erfüllt in unserem Kreis nur das Klinikum Bad Hersfeld. Hinzu kommt, dass mit der Klinik am Hainberg als 100-prozentige Tochtergesellschaft des Klinikums schon seit 30 Jahren psychosomatische Fachkompetenz vorhanden ist.

Politische Vertreter haben sich für den Antrag des HKZ stark gemacht. Wie steht das Klinikum dazu?

Ködding: Ich frage mich, wie das einseitige Engagement von politischen Mandatsträgern bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kreiskrankenhaus Rotenburg und dem Klinikum Bad Hersfeld ankommt. Wir würden uns wünschen, dass vor einseitigen politischen Statements zu Gunsten eines privaten Klinikträgers vorab auch mit dem kommunalen Krankenhaus in Bad Hersfeld und insbesondere mit dem Kreiskrankenhaus in Rotenburg in freigemeinnütziger Trägerschaft Kontakt aufgenommen wird, um zu einer angemessenen und ausgewogenen Beurteilung zu kommen.

In der Diskussion um derartige Versorgungsangebote geht es immer auch um Arbeitsplätze. Wie sieht es bei der Akutpsychosomatik aus?

Ködding: Wie bereits erwähnt, sind für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg 20 Betten für Akutpsychosomatik durch das Klinikum Bad Hersfeld beantragt. Mit dem Antrag des Klinikums wird die Fachkompetenz der Klinik am Hainberg genutzt und der Standort Klinikum Bad Hersfeld und Klinik am Hainberg gemeinsam gefestigt und ausgebaut. Eine negative Auswirkung auf die Arbeitsplätze im HKZ ergibt sich hieraus nicht.

Können Sie nicht dennoch mit dem HKZ zusammenarbeiten?

Ködding: Es würde keinen Sinn machen, die beantragten 20 Betten noch einmal auf zwei Standorte im Landkreis aufzuteilen. Mit dem Antrag des Klinikums gemeinsam mit der Klinik am Hainberg wird den Vorgaben des Krankenhausplans des Landes Hessen Rechnung getragen, der vorsieht, dass Akutpsychosomatik von großen Allgemeinkrankenhäusern betrieben werden soll. Andererseits können wir die über 30-jährigen Erfahrungen in der Psychosomatik durch die Klinik am Hainberg nutzen.

Wie geht es jetzt weiter?

Ködding: Die Gesundheitskonferenz wird die Beratung über die vorgelegten Anträge fortsetzen und voraussichtlich im November eine Empfehlung aussprechen. Danach wird die Beratung im Landeskrankenhausausschuss in Wiesbaden fortgesetzt. Das Hessische Sozialministerium wird dann zum Abschluss die endgültige Entscheidung treffen. Das erwünschte Ergebnis für uns wäre, dass neben der bereits bestehenden Akut-Psychosomatik im Klinikum Fulda ein entsprechendes Angebot im Klinikum Bad Hersfeld mit der Klinik am Hainberg entsteht. (kai)

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