Interview mit der neuen Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Anke Roß

„Ansprechpartner für alle“

Will die Landwirte individuell beraten: Die 35-jährige Anke Roß ist neue Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg. Foto: Eisenberg

Hersfeld-Rotenburg. Neue Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg ist seit Oktober die 35-jährige Anke Roß. Nach dreimonatiger Einarbeitungszeit hat sie zum Jahresbeginn die die Nachfolge von Wolfgang Sippel angetreten. Wir sprachen mit der neuen Geschäftsführerin über ihre Arbeit und aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als neue Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes setzen?

Anke Roß: Ein Schwerpunkt des Kreisverbandes ist natürlich die Beratung der Landwirte in individuellen Fragen, beispielsweise bei Anträgen oder Hofübergaben. Außerdem möchte ich alle Verbände aus dem grünen Metier besser vernetzen. In Zukunft werden wir auch die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Landwirtschaft im Landkreis ein?

Ross: Die Landwirtschaft im Kreis ist noch gut aufgestellt. Wir haben eine große Betriebsdichte und viele Nebenerwerbslandwirte. Viele Ortskerne sind noch durch die Landwirtschaft belebt. Wir haben ein breites Spektrum: In den Seitentälern gibt es noch viele Höfe mit Milch- und Mutterkühen, wir haben Ackerbau und Schweinemast und Geflügelhalter. Auch Pferde und Schafe spielen eine gewisse Rolle.

Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe, konventionell und Bio – ist da ein Interessenskonflikt nicht vorprogrammiert?

Ross: Die Entscheidung, wie gewirtschaftet wird, liegt beim Betriebsleiter. Wir als Kreisbauernverband sind Ansprechpartner für jeden landwirtschaftlichen Betrieb. Wir versuchen zu unterstützen wo es geht und helfen bei konkreten Problemen. Gerade auf Kreisebene haben unterschiedlich wirtschaftende Betriebe oft dieselben Anliegen.

Auch bei uns geht der Trend hin zu immer weniger, immer größeren Betrieben. Gehen Ihnen irgendwann die Mitglieder aus?

Ross: Einen Strukturwandel haben wir in den vergangenen Jahren erlebt, trotzdem haben wir immer noch rund 1500 Mitglieder im Kreisbauernverband. Viele, die ihren Betrieb aufgeben und in die Verpächterrolle wechseln, bleiben bei uns, weil sie sich gut betreut fühlen. Wir haben hier eine starke Nebenerwerbslandwirtschaft. Ich habe das Gefühl, dass dort die junge Generation in den Startlöchern steht und ein Interesse daran hat, den Betrieb weiterzuführen.

Der Bundesverband deutscher Milchviehhalter wurde unter anderem gegründet, weil sich die Milchbauern vom Bauernverband nicht ausreichend vertreten fühlten. Arbeiten Sie an Ihren Mitgliedern vorbei?

Ross: Insbesondere bei größeren verbandspolitischen Themen besteht natürlich die Gefahr, dass sich ein Zweig der Landwirtschaft vernachlässigt fühlt, wenn ich mich für einen anderen einsetze. Wir sehen uns schon als Interessenvertretung der gesamten Landwirtschaft. Sicherlich hat das eine oder andere Mitglied zu einzelnen Positionen des Bauernverbandes eine andere Meinung. Gerade auf Kreisebene steht der einzelne Betrieb im Fokus und wir versuchen individuell zu helfen.

Der mögliche Anbau der Genmais-Sorte 1507 in der EU sorgt in der Region für Unruhe. Was halten Sie von Gentechnik auf dem Acker?

Ross: Das ist bei uns erstmal kein Thema. Von Verbandsseite lehnen wir den Genmais ab, die Verbraucherakzeptanz fehlt und zum anderen besteht ein Risiko für den Anbauer und nur ein unzureichender Nutzen.

Als Geschäftsführerin verbringen Sie viel Zeit am Schreibtisch. Wann haben Sie das letzte Mal selbst im Stall gestanden oder auf dem Schlepper gesessen?

Ross: (lacht) Es ist ja kein reiner Bürojob. Im Stall habe ich zuletzt in der vergangenen Woche gestanden. Und auf dem Schlepper habe ich erst vorgestern gesessen. Ich komme ja selbst aus einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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