Die bizarre Forderung des Königs Lear führt am Ende zur Katastrophe – Töchter sollen ihre Liebe beweisen

Ein anmaßender Vater und dominante Frauen

Die Idylle trügt – auf der Bühne. Volker Lechtenbrink (Lear) mit seinen Töchtern im Stück (von links) Kristin Hölck (Cordelia), Anja Brünglinghaus (Goneril) und Oda Pretzschner (Regan). Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Weil er sich anmaßt, die Liebe seiner drei Töchter herauszufordern, kommt es zur Katastrophe und am Ende herrschen Mord und Totschlag. „Der König macht einen großen Fehler, für den er später bezahlen muss. Aber er ist es als Despot nicht anders gewohnt, für ihn ist das auch ein Spiel“, beschreibt Volker Lechtenbrink das Verhalten des Königs Lear. „Er muss sich das Anordnen abgewöhnen“, ergänzt Regisseur Holk Freytag.

In der Tragödie „König Lear“ will ebendieser in den Ruhestand gehen und es stellt sich die Frage, welche der drei Töchter das Reich erben soll. Welche liebt ihn am meisten, fragt er sich und fordert Beweise.

Gegen den Vater vereint

Seine Lieblingstochter, die tugendhafte Cordelia (Kristin Hölck), verweigert sich, woraufhin der König sie verstößt. Die anderen beide erben, doch sie hintergehen den Vater.

„Die Schwestern sind sich alle nicht grün“, erklärt Anja Brünglinghaus (Goneril) das Verhältnis der drei Frauen – vor allem Goneril und Regan sind Konkurrentinnen, zum Beispiel wenn es um den Liebhaber geht. „Trotzdem schmieden sie eine Allianz gegen den Vater als der immer wunderlicher wird, da treffen sie sich“, so Brünglinghaus. „Die Beziehung zwischen Aktion und Reaktion bestimmt fortan das Geschehen.“ Denn irgendwie sind alle Figuren auch ambivalent und nicht etwa nur böse.

„Ich frage mich oft, was wäre, wenn die Geschichte anders ausgehen würde...“, sagt Oda Pretschner (Regan). „Wie verhalten sich generell Menschen, die Macht haben und warum verhalten sie sich so?“. Bei allem Machtkampf eint die Schwestern in „König Lear“ im Übrigen alle eins: „Die Frauen nehmen sich das Recht, stark und dominant zu sein“, so Holk Freytag. Mit einfacher Psychologie käme man bei Shakespeare aber ohnehin nicht weiter.

„Wie man eine Figur sieht, hängt aber immer auch vom Darsteller ab“, findet Volker Lechtenbrink, der im wahren Leben ganz angetan von den „drei herrlichen Mädchen“ ist. Diese sind nach der ersten intensiven Probenzeit ganz begeistert von der „magischen“ Bad Hersfelder Stiftsruine. „Die Bühne ist ein Traum“, schwärmt Kristin Hölk.

Von Nadine Maaz

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