Rauschgiftprozess in Bad Hersfeld: Zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung

Anklage zu wenig konkret

Bad hersfeld. Für sage und schreibe 109 Rauschgiftdelikte sollte sich gestern ein 26 Jahre alter Hersfelder vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts verantworten – verurteilt wurde er am Ende für fünf Taten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

„Jeder Fall hat seine eigenen Facetten,“ bemerkte Verteidiger Jochen Kreissl und war sich darin auch mit Staatsanwalt Christoph Wirth einig.

Denn bei den ersten 104 Anklagepunkten handelte es sich um Hochrechnungen, die aus den polizeilichen Aussagen des Hersfelders stammten.

Nachdem in seiner Wohnung bei einer Durchsuchung Marihuana gefunden worden war, hatte der gelernte Bäcker gegenüber der Kripo angegeben, während der vergangenen zwei Jahre jede Woche einmal bei einem Freund für jeweils zehn Euro Rauschgift gekauft zu haben. Das Jahr hat 52 Wochen, also wurden daraus 104 Fälle des unerlaubten Erwerbs.

Nur gemeinsam geraucht

Vor Gericht hörte sich das dann allerdings ein bisschen anders an. Man habe sich getroffen und miteinander geraucht, räumte der Angeklagte ein – mehr aber nicht. Für eine Verurteilung war das dann zu wenig konkret, so dass diese Anklagepunkte im Hinblick auf die verbleibenden Taten auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt wurden.

Auch beim Rest der Vorwürfe – viermal Erwerb von Marihuana, einmal Verkauf von Amphetaminen – schrumpfte der dickste Brocken zusammen: Beim angeblichen Kauf von 500 Gramm für 900 Euro stimmten schon die Mengen nicht, es konnten nach den gängigen Marktpreisen bestenfalls 150 Gramm sein. Und weil die noch von mieser Qualität gewesen sein sollen, war es auch nichts mit der strafrechtlich bedeutsamen „nicht geringen Menge“.

Was das Gericht mit seinem Vorsitzenden Michael Krusche zudem beeindruckte, war der Umstand, dass der psychisch angeschlagene Angeklagte stets um Arbeit bemüht ist (und momentan auch einen Job hat), gut mit seinem Betreuer zusammenarbeitet und auch bereit ist, sich seinem Drogenproblem zu stellen und gegebenenfalls eine Therapie zu absolvieren.

Dies wurde ihm jetzt auch zur Auflage gemacht. Ab März wird seine Drogenabstinenz zudem durch vierteljährliche Untersuchungen kontrolliert.

Von Karl Schönholtz

Kommentare