Joachim Gauck spricht in der Stadthalle

Der Angst auf Wiedersehen sagen

Kommt in die Stadt: Joachim Gauck. Foto: nh

Bad Hersfeld. 1989 gingen in der DDR die Menschen auf die Straße und in die Kirchen. Sie beteten und demonstrierten für freie Wahlen, für Meinungsfreiheit und Demokratie. Nur ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, hörte die DDR auf zu existieren. 20 Jahre nach dem ersten Tag der Deutschen Einheit fragen sich immer noch viele Menschen, wie es mithilfe friedlicher Demonstrationen, Ausreisewillen und Kerzen gelingen konnte, ein Staatswesen zu Fall zu bringen, das in den Jahrzehnten zuvor einen großen Teil seiner Energie in die Kontrolle seiner Bürger investiert hat.

Einer von denen, für die der Herbst 1989 zum Frühling wurde, ist Dr. hc. Joachim Gauck, der am Dienstag, dem 5. Oktober um 19.30 Uhr auf Einladung des Kulturbundes und der Stiftung Adam von Trott, in der Bad Hersfelder Stadthalle zu Gast sein wird.

Joachim Gauck wurde einer breiten Öffentlichkeit erstmals im Herbst 1989 bekannt, als er Sprecher des „Neuen Forums“ in Rostock wurde. 1990 wurde er Abgeordneter der einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer und Vorsitzender des Ausschusses für die Auflösung der Staatssicherheit. Von 1990 bis 2000 war der Theologe Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes und stand damit der später nach ihm benannten „Gauck-Behörde“ vor. Bei seiner diesjährigen Kandidatur für die Wahl eines neuen Bundespräsidenten wurde deutlich, dass Gauck über Parteigrenzen hinweg große Sympathien entgegengebracht werden.

Friedliche Revolution

Im Mittelpunkt der Bad Hersfelder Veranstaltungen werden Gaucks Erinnerungen an die friedliche Revolution 1989 und an den darauf folgenden Prozess der Vereinigung beider deutscher Staaten stehen. Sein autobiographisches Buch „Winter im Sommer - Frühling im Herbst“, in dem er diese Erinnerungen verarbeitet, erschien anlässlich seines 70. Geburtstages.

In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte Gauck mit Blick auf 1989: „Wir sind das Volk, das war eine starke Losung. Das hieß nämlich, ich bin ein Bürger und ihr da oben seid nichts, wenn ich ein Bürger bin. So wurden wir plötzlich stark. 40, 50 Jahre Ohnmacht und plötzlich sagst du deiner Angst auf Wiedersehen.“

Der Eintrittspreis für die Veranstaltung beträgt fünf Euro. Schüler, Studenten, Kurgäste und Mitglieder von Kulturbund und Stiftung Adam von Trott zahlen drei Euro. (red)

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