Diabetes-Prävention: Vom Fragebogen zum Blutzuckertest – ein Selbstversuch

Angst vorm kleinen Pieks

Tut das weh? Unser Redakteur Kai A. Struthoff kann kein Blut sehen. Trotzdem wagte er den Diabetes-Selbstversuch. Die freundliche Behandlung durch Arzthelferin Judith Rüger nahm ihm etwas von seiner Angst vor dem Pieks. Fotos: Christin Hanisch

Schenklengsfeld. Mit wilden Paschtunen über den Khyberpass nach Afghanistan – ein grandioses Abenteuer. Mit dem Seenotrettungskreuzer im Wintersturm durch die aufgewühlte Deutsche Bucht – ein weiteres spannendes Erlebnis im Journalistenleben. Aber vor diesem Termin, dem kleinen Pieks zur Blutabnahme beim Diabetes-Test, habe ich echt Angst.

Mit dem Diabetes-Fragebogen, der seit einigen Wochen in allen Arztpraxen des Kreises ausliegt, fing alles an. Acht einfache Fragen zur Risikobestimmung. Das Alter bestimmen ist noch leicht. Der Taillenumfang? Ja, früher hatte ich auch mal eine Taille. Dafür ist jetzt mein Body-Mass-Index hoch.

Ich bin halt 20 Zentimeter zu klein für mein Gewicht. Bewegung? Klar, ich laufe regelmäßig zu meinem Auto. Und natürlich esse ich auch zu viel, zu fett, zu süß. Außerdem war mein Opa Diabetiker. Ich erinnere mich mit noch Schrecken daran, wie dem vitalen, alten Mann nach und nach beide Beine amputiert wurden.

Das Risiko ist da

Mein Diabetes-Test ergibt, dass ich zur Risikogruppe gehöre und dringend Vorsorgemaßnahmen ergreifen soll. Deshalb sitze ich jetzt in der Praxis des Diabetologen Dr. Frank Klein in Schenklengsfeld. Zuerst misst Angelina Schotte meinen Blutdruck. Zu hoch. „Das kann die ganze Atmosphäre hier sein“, sagt die junge Frau beruhigend. Oder ist es doch die nackte Angst? Rächen sich jetzt meine Ernährungssünden?

Dann sitze ich bei Judith Rüger zur Blutentnahme und schwitze. Ich kann doch kein Blut sehen. Die beiden Frauen spüren meine Nervosität. „Sie können sich auch hinlegen“, bieten sie an. Na, soweit kommt’s noch.

Warten auf den Test

Den kleinen Pieks spüre ich kaum. Judith Rüger quetscht Blut aus meinem Mittelfinger auf ein Testplättchen und misst den Glykohämoglobin- oder HbA1c-Eingangswert auf nüchternen Magen. 91 Milligramm pro Deziliter, zeigt das Messgerät. „Ein normaler Mittelwert“, beruhigt mich Judith Rüger. Dann gibt’s „Frühstück“: Der Zuckercocktail schmeckt widerlich süß.

Jetzt heißt es warten. Mein Körper muss zeigen, wie er den Zucker abbaut. Im Wartezimmer berichten die anderen Patienten über ihre Krankengeschichten. Ich blättere zerstreut in einer Laufzeitschrift. Ja, etwas mehr Bewegung wäre gut.

Nach einer Stunde wartet Judith Rüger erneut mit der Nadel auf mich. 156 Milligramm zeigt jetzt das Messgerät. Das ist normal, muss aber weiter sinken. Langsam entspanne ich mich. Die freundlich-kompetente Behandlung in der Praxis hilft dabei.

Nach zwei Stunden werde ich zum letzten Mal gepiekst. 107 Milligramm, mein Körper hat den Zuckercocktail gut verarbeitet. „Das ist stinknormal“, sagt später auch Dr. Klein bei der Besprechung meines Befundes. Auffällig wäre es, wenn der Wert nach einer Stunde über 200 gelegen hätte. Entwarnung. Erleichterung.

Trotzdem klingen mir die mahnenden Worte von Judith Rüger im Ohr: „Ab einem gewissen Alter, muss man seinen Körper pflegen.“ Stimmt. Ab jetzt gehe ich alle zwei Jahre zum Blutzuckertest.

Es gibt Abenteuer im Leben, auf die man gut verzichten kann. Diabetes gehört dazu.

Von Kai A. Struthoff

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