Der geplante Autohof an der A 4 stößt auf Widerstand – Hauptproblem ist Lärmschutz

Autohof in Bad Hersfeld: Angst vor einem Ghetto an der Unteren Kühnbach

Sie halten die Autohof-Pläne für unzumutbar: Laila Maier (rechts) fühlt sich wie ihre Nachbarn seit Jahren schon alleingelassen von der Stadt. Auf der Fläche hinter ihr soll bald der Autohof gebaut werden. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Gegen die Pläne des Investors Dirk Schade, an der A 4 einen großen Autohof zu bauen, gibt es Widerstand. Vor allem die Bewohner der vier Häuser an der Oberen Kühnebach sorgen sich wegen der zu erwartenden Belastung durch Lärm und Abgase. Doch auch Pläne, nach denen die Häuser mit einem Lärmschutzbauwerk abgeschirmt werden sollen, stoßen auf Ablehnung. Denn ein solches Bauwerk würde dicht an den Häusern stehen und bis zur Oberkante der Fenster im 1. Stock reichen.

„Dann können sie uns gleich ins Gefängnis stecken“, sagt Liane Mehbach-Rosenberger, die schon seit 20 Jahren in der kleinen Siedlung lebt und wie viele ihrer Nachbarn zur Volksgruppe der Sinti gehört. Für nicht zumutbar hält auch Laila Maier die Pläne, die seit gut zwölf Jahren an der Unteren Kühnbach lebt.

Sie fühlt sich von der Stadt ohnehin nicht ausreichend unterstützt. „Wir wünschen uns seit Jahren einen Spielplatz für die vielen Kinder, aber es wird nichts gemacht“, kritisiert sie. Wenn es nun unbedingt eine Mauer oder ein Damm sein müsse, dann solle doch bitte schön auch endlich ein Spielplatz gebaut werden. Auch im Bauausschuss war am Mittwochabend den Delegierten die Ratlosigkeit anzumerken. „Es geht um eine Millionen-Investition, die auch viele Arbeitsplätze bringt, das sollten wir unterstützen“, sagte der Vorsitzende Roland Luley. Gleichwohl war ihm wie allen anderen bewusst, dass die Belastung für die Bewohner schon jetzt groß ist und durch den Autohof weiter wächst. Denn neben Amazon gibt es an der Blauen Liede weiteres Gewerbe, eine Spielhalle und den Verkehr der B 27. „Diese Häuser hätten dort nie gebaut werden dürfen“, sagt Bauamtsleiter Johannes van Horrik.

Auf der Fläche links neben den Wohnhäusern soll der Autohof entstehen.

Ohne geeignete Lärmschutzmaßnahmen und einen größeren Abstand zur der bestehenden Bebauung sei die Fläche nicht zu nutzen. Nina Weise-Hübner von den Grünen warnte gar vor einem „Ghetto“, das dort geschaffen würde. „Die Menschen können kaum noch raus, und Kinder möchte dort keiner großziehen.“ Gerade mit Blick auf die Verfolgung der Sinti in der Vergangenheit müsse hier besonders sensibel vorgegangen werden.

Der Ausschuss will nun bei einem Ortstermin am 19. November mit allen Beteiligten das Gelände in Augenschein nehmen und Lösungen suchen. Es wurde an den Investor, aber auch an den Eigentümer der Häuser – Geschäftsmann Arno Seelen – appelliert, eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Laut Seelen haben dazu aber noch keine Gespräche stattgefunden.

Schade ist gesprächsbereit

Unsere Zeitung erreichte Dirk Schade im Urlaub in den USA. Er zeigte sich sofort kompromiss- und gesprächsbereit. „Wir können über alles reden“, sagte er – egal ob eine Schallschutzwand oder ein begrünter Wall gebaut werden soll. Er wies zudem darauf hin, dass der Autohof bis zu drei Meter tief in den Amazonhang hineingebaut werde. Schon dadurch entstehe ein natürlicher Schutzwall. Er wolle alles tun, um den vorgeschriebenen Emissionsschutz der Anwohner sicherzustellen. Hintergrund

Von Kai A. Struthoff und Nadine Maaz

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