Lange Unterhosen und Pudelmützen: Händler packen sich jeden Markttag warm ein

Angezogen wie die Zwiebel

Solang die Dotter nicht einfrieren ist alles gut: Marianne Kaiser-Rommel bietet an ihrem Stand auch frische Eier an, Handschuhe darf sie trotz der klirrenden Kälte nicht tragen - wegen der Hygienevorschriften.

Bad Hersfeld. Während einige Menschen vormittags im Büro sitzen und die Heizung höher drehen, ist auf dem Wochenmarkt in der Bad Hersfelder Innenstadt Bibbern angesagt. Schon ab 6 Uhr bauen die Verkäufer ihre Stände bei eisigen Temperaturen auf. Jeden Dienstag und Freitag harren die Händler stundenlang im Frost aus, um dort ihr Geld zu verdienen. Damit der Verkaufstag nicht mit laufender Nase, Hustenanfällen und Frostbeulen endet, haben die Kaufleute ihre Kleidung dem Wetter angepasst.

„Ich habe ein Unterhemd, ein T-Shirt, einen Pullover und gleich zwei Jacken übereinander an“, verrät Klaus Jürgensmeier, der trotz Tiefkühltruhen-Witterung seinen Tee verkauft. Bei dieser Kälte liegt es nah, dass er sich mit den Waren, die er anbietet, regelmäßig aufwärmt. „Natürlich trinke ich zwischendurch eine heiße Tasse Tee, das hilft ganz gut“, sagt Jürgensmeier.

„Ich habe ein Unterhemd, ein T-Shirt, einen Pullover und gleich zwei Jacken übereinander an.“

Klaus Jürgensmeier

Marianne Kaiser-Rommel, die ein paar Meter weiter Backwaren, Käse und Eier anbietet, hat sich – ähnlich wie Jürgensmeier – die Zwiebel zum Kleidungsvorbild genommen. Denn ihr flauschiger Schal und die Wollmütze reichen nicht aus, um der Kälte zu trotzen. „Ich ziehe immer etliche Schichten übereinander“, sagt sie und öffnet dabei ihre dicke, braune Jacke. Darunter verbergen sich Skiunterwäsche, ein T-Shirt, ein Angora-Pulli und eine Wollweste.

„Ich benutze momentan auch regelmäßig einen Labello, um meine Lippen zu schützen“, ergänzt Kaiser-Rommel, während sie den Reißverschluss ihrer Jacke wieder hochzieht. Ihr Frühstück leidet ebenfalls unter dem Frost. Zwei Clementinen und einen Granatapfel hat sie sich zur Stärkung eingepackt: „Das Obst ist so kalt, dass ich beim Reinbeißen dachte, mir fallen die Zähne aus“, sagt sie und fängt an zu lachen.

Ein Heizlüfter hilft

Auch Normen Mohr hat jetzt mit der Kälte zu kämpfen, weiß sich aber zu helfen: „Ich trage eine lange Unterhose und natürlich meine Mütze“, sagt der junge Mann vom Feinkoststand. Außerdem hat er einen technischen Helfer, der die Zeit auf dem Markt etwas angenehmer macht: einen kleinen Heizlüfter. „Vor das Öfchen stelle ich mich, wenn es zu eisig wird“, sagt Mohr.

So wie Mohr haben sich viele Händler auf dem Markt mit Elektro- oder Gasöfen ausgestattet. „Der Gasofen ist aber nicht optimal, finde ich. Da kann man sich nur mal kurz die Hände aufwärmen“, sagt Kaiser-Rommel.

Handschuhe nicht erlaubt

Warme Hände haben meist nur die Passanten, die an den Ständen entlang schlendern. Die Verkäufer in den Ständen dürfen nämlich keine Stoff-Handschuhe tragen, wenn sie mit Lebensmitteln hantieren. Kaiser-Rommel erklärt: „Handschuhe sind aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. Deswegen benutze ich sie nur, wenn ich den Stand abbaue.“

Von Dorothea Backovic

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