Junger Hersfelder dealte zwei Jahre lang mit Marihuana: Neun Monate auf Bewährung

Ein angenehmer Täter

Bad Hersfeld. Von der Polizei erwischt, der Führerschein weg und in der Schule zunehmende Antriebslosigkeit – Anlässe genug für einen 20-jährigen Hersfelder, mit seiner Drogenkarriere radikal Schluss zu machen. Er stellte seinen schwunghaften Marihuana-Handel ein, verzichtete fortan aufs Kiffen und legte bei den Vernehmungen durch die Polizei und gestern vor dem Jugendschöffengericht umfassende Geständnisse ab.

In 22 Fällen hatte der junge Mann, der nach immerhin noch bestandener mittlerer Reife jetzt bei einer Logistikfirma arbeitet, von seiner Wohnung aus zwischen 50 und 150 Gramm Marihuana oder Hasch gewinnbringend verkauft. In mindestens acht Fällen übertraf der Wirkstofgehalt des Rauschgifts die strafrechtlich bedeutsame Grenze zur „nicht geringen Menge“. Mit den Einnahmen stockte der Hersfelder das von der Oma gezahlte Taschengeld auf.

Vater nahm Drogen

Seit seinem 15. Lebensjahr konsumierte er Drogen, zuerst nur gelegentlich, später immer öfter. Eine Rolle spielte dabei sicher auch, dass der Vater ebenfalls Rauschgift nahm.

Gestern vor Gericht hinterließ der 20-Jährige einen entschlossenen Eindruck. Der wegen einer Fahrt unter Drogen eingezogene Führerschein soll wieder her, die Schulden müssen abgebaut werden, und dann möchte er eine Ausbildung beginnen. Die konsequente Abkehr von der Droge soll der Anfang sein. Deswegen war der Angeklagte auch zu allem bereit, was ihm jetzt von Seiten des Gerichts aufgegeben werden sollte.

„Ein angenehmer Straftäter,“ stellte denn auch Helmut Licht von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises fest, weil in Drogenfällen normalerweise blockiert werde bis zum Geht-nicht-mehr. „So einen sperrt man nicht weg,“ sagte Licht, „der ist auch für die Kollegen von der Bewährungshilfe ein angenehmer Fall.“

Diesem vorweggenommenen Plädoyer verschlossen sich weder Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken, Verteidigerin Daniela Morbach noch das Gericht mit seinem Vorsitzenden Dr. Rolf Schwarz: Neun Monate Jugendstrafe lautete das Urteil, die Haft für zweieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Gemeinnützige Arbeit

80 Stunden gemeinnützige Arbeit muss der Hersfelder erledigen, regelmäßig die Drogenberatung aufsuchen und Test absolvieren, die seine Rauschgift-Enthaltsamkeit belegen.

Von Karl Schönholtz

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