Arnulf Rating gastiert mit seinem Programm „Stresstest Deutschland“ im Buchcafé

Die Angela hält sich

Ob als Schwester Hedwig oder „Deutschland 21“-Protestler – Arnulf Rating trifft immer ins Schwarze und ruft die braven Bürger zum Widerstand auf. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. „Wir hängen drin! Wir machen mit! Was sollen wir machen?“, fragt Arnulf Rating sein Publikum im voll besetzten Buchcafé und hat die Antwort gleich parat. „Machen wir Kabarett!“. Mit fünf seiner zehn Soloprogramme war der Meisterspötter hier bereits zu Gast. Am Freitag ist er angetreten, um den „Stresstest Deutschland“ zu machen.

Mit seinem Stresstest-Mobil ist er auf Deutschlandtour, prüft die schwer von der Euro-, Schulden- und Finanzkrise gebeutelten Deutschen auf Herz und Nieren und klopft diese auf ihre Krisenresistenz ab. Scharfsinniges und wortwitziges Politkabarett von einem ganz Großen seiner Zunft, der sich der Bühnenfiguren Schwester Hedwig, Dr. Mabuse, „Deutschland 21“-Protestler“, Fahrer des Stressmobils und aalglatter Turbo-Manager vom Medienkonzern Bertelsmann bedient.

Blitzschnelle Rollenwechsel

Bei seinen blitzschnellen Rollenwechseln zeigt er sich wandlungsfähig in Mimik, Gestik und Jargon, aber immer unnachgiebig in seiner Gesellschaftskritik aus verschiedenen Blickwinkeln und bei der Analyse der gegenwärtigen Krisen. In Schwesternkluft empfiehlt Rating: „Wir müssen da mal was spritzen“, denn eine „Testosteronbremse“ ist allemal besser als eine Schuldenbremse, um den Machenschaften in Parlamenten, Banken und Konzernen Einhalt zu gebieten. „Politiker und Banker, alles Luschen“. Besonders auf die „Pampers-Politiker“ von der FPD ist er nicht gut zu sprechen.

Kein Polit-Kabarett ohne die Wulff-Affäre, Gauck und seine zwei First-Ladys und aktuell Kanzlerkandidat Steinbrück. Lobende Worte findet die matronenhafte Schwester für die zähen Frauen und bringt die „Angela in Berlin“ ins Gespräch, die sich hält und hält und allen Griechen-Stürmen trotzt wie eine deutsche Eiche.

Überleben mit Abstrichen

Der verschrobene Landarzt Dr. Mabuse, der sich als Leiter des Stresstestes einen Aufstieg versprochen hatte, sinniert über sein Leben, schimpft über das widerliche Patientenpack, das ihm die Praxisgebühr nicht gönnt, versichert aber: „Ich überlebe auch, wenn ich Abstriche mache“. Die Sicht der kleinen Leute vertritt der Fahrer, mit Bierbauch und Kappe und seiner gerechtfertigten Einstellung: „Wenn ich 400 Euro kriege, arbeite ich auch für 400 Euro“.

Aus jeder Rolle macht Rating eine Glanzrolle. Er liefert, was Politiker und Experten bei uns schon lange fordern: Eine andere Einschätzung als die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poors, Moody´s und Fitch. Das Bad Hersfelder Publikum hat den Stresstest bestanden und sich dabei über zweieinhalb Stunden köstlich amüsiert.

Von Gudrun Schmidl

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