Mordprozess: Rafael P. schildert seine Version der tödlichen Stiche

Angeklagter gibt seiner Freundin die Schuld

Bad Hersfeld/Fulda. Der 37 Jahre alte Rafael P., der vor dem Landgericht Fulda angeklagt ist, seine 42 Jahre alte Freundin im Dezember 2011 mit 50 Messerstichen getötet zu haben, hat gestern seine Unschuld beteuert. Nach einer durchzechten Nacht habe die Frau von Suizid gesprochen. Sie habe im gemeinsamen Wohnzimmer der Wohnung in Bad Hersfeld überraschend ein Messer gezogen und sich die tödlichen Verletzungen selbst zugefügt.

Mit tränenerstickter Stimme schilderte der Angeklagte seine Version der Bluttat: Am Tag der Tat habe er bereits kräftig getrunken, bis er seine Freundin von der Spätschicht abgeholt und mit ihr in Bad Hersfelder Lokalen und in der Wohnung im Zellersgrund noch mehr getrunken habe.

Weil beide seit Jahren unter ihrer Alkohol- und Spielsucht gelitten hätten, hätten sie schon oft über Suizid gesprochen. Auch in den Minuten vor der Tat habe man darüber gesprochen. Plötzlich habe sie ein Messer in der Hand gehalten und habe in das Sofa eingestochen. „Was machst Du da?“, habe er gefragt. „Scheißegal“, habe sie geantwortet.

„Wir sollten es jetzt machen“

Sie habe sich dann, ohne einen Ton von sich zu geben, das Messer in das linke Knie gerammt. Ihn habe das schockiert und gelähmt. Mit den Worten „Es ist soweit, wir sollten es jetzt machen“ habe sie dann ankündigt, gemeinsam mit ihrem Freund in den Tod zu gehen. Dann habe sie erneut in das Sofa und dann auf sich eingestochen – in die Seite und in die Brust. Dann sei sie umgekippt. Er habe geschrien und noch versucht, sie wieder zu beleben, aber das sei nicht gelungen.

Ohne zu wissen, wie es dazu gekommen sei, habe er plötzlich selbst das Messer in der Hand gehalten. Er habe die Absicht gehabt, sich selbst zu töten, doch habe ihm dazu der Mut gefehlt. Aus Verzweiflung habe er dann noch einige Male auf seine bereits leblose Freundin eingestochen.

Fortsetzung 2. Seite

Von Volker Nies

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