Hönebacher Bankraub: Beschuldigte wollen nur Fluchtwagen gestohlen haben

Angeklagte gestehen Beihilfe

Fulda/Hönebach. Im Prozess wegen des Hönebacher Bankraubs vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Fulda haben die Angeklagten eingeräumt, den Fluchtwagen gestohlen und gefahren zu haben. Am eigentlichen Überfall seien sie aber nicht beteiligt gewesen.

Die Beschuldigten, ein 39-Jähriger aus Fulda und dessen Schwager, ein 49-jähriger Bad Hersfelder, sind angeklagt, im April 2009 die Raiffeisenbank in Hönebach maskiert überfallen zu haben. Nachdem alle 28 vorgesehenen Zeugen gehörten worden waren, präsentierten Staatsanwalt Harry Wilke und Philipp Götze, Verteidiger des älteren Angeklagten, jetzt weitere Beweise.

Götze rief den Leiter der Sparkassen-Filiale Hohe Luft in Bad Hersfeld in den Zeugenstand. Dieser erklärte anhand von Aufzeichnungen des Geldautomaten, dass der 49-Jährige am Nachmittag vor dem Überfall mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem Zeitpunkt dort Geld abgehoben hatte, als sich die späteren Täter schon einmal der Bank in Wildeck genähert hatten. Dies war ein Beleg dafür, dass der Angeklagte auch an der eigentlichen Tat nicht beteiligt gewesen war.

Kein Geld am Automaten

Eine halbe Stunde lang hatte der Angeklagte am Geldautomaten mit wechselnden Pin-Zahlen versuchten, Geld abzuheben und den Kontostand zu ermitteln. Am Ende stimmte die Pin-Nummer, aber der Geldautomat spuckte keine Scheine aus, weil das Konto keine Deckung besaß.

Der Staatsanwalt entkräftete die am vergangenen Verhandlungstag von den Angeklagten präsentierte Version, sie hätten das spätere Fluchtfahrzeug nur aufgebrochen, um bei einem Versicherungsbetrug zu helfen. Wilke wies nach, dass das Auto gar nicht versichert war. Zudem legte er Fotos vor, die belegten, dass der jüngere Angeklagte zur Tatzeit einen Zopf trug. Der 39-Jährige hatte bis jetzt behauptet, bei der Tat eine Kurzhaarfrisur getragen zu haben. Eine Zeugin hatte einen Täter mit Zopf beschrieben.

Nach einer Absprache mit dem Vorsitzenden Richter Peter Krisch, der Höchststrafen von vier Jahren für den älteren und drei Jahren Haft für den jüngeren Täter zusicherte, legten die Beschuldigten ein Teilgeständnis ab: Der Ältere habe für zwei Bekannte ein Auto gestohlen, das bei einem Banküberfall genutzt werden sollte. Beim Aufbrechen habe der Jüngere geholfen. Der Ältere habe dann auch den Fluchtwagen gesteuert.

Tablettenabhängig

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Stöppler, beschrieb den 49-Jährigen als tablettenabhängig. Der Angeklagte habe zum Zeitpunkt der Tat Schmerz-, Betäubungs- und Beruhigungsmittel in wechselnder Zusammensetzung konsumiert. Deshalb sei er nur vermindert schuldfähig. Stöppler sagte aber auch, für den Angeklagten habe „das Begehen von Straftaten zum Lebensstil gehört.“

Von Volker Nies

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