Kantor Sebastian Bethge führte mit Hersfelder Kantorei Franz Schuberts Messe As-Dur auf

Zu Anfang klare Antworten

Mit Frische und Energie gefielen Hersfelder Kantorei und Landeskapelle Eisenach unter der Leitung von Sebastian Bethge bei Schuberts Messe As-Dur in der Stadtkirche. Foto: nh

Bad Hersfeld. Wohl in dem Wissen, dass ein Kantorenwechsel einen heiklen Übergang bedeutet, blieb Sebastian Bethge, seit September 2011 im Amt, in seinem ersten zentralen Kantoreikonzert verhalten. Er beschränkte sich am Trinitatissonntag in der Stadtkirche allein auf Franz Schuberts Messe As-Dur D 678 - mit 45 Minuten Spieldauer eigentlich nicht programmfüllend. Doch hatte er zwei Gegenargumente: Das Werk selbst und seine Wiedergabe.

Die As-Dur-Messe gehört zu jenen Anstrengungen, mit denen Schubert (1797-1828), das Genie der kleinen Form, aufs große Tableau zielte – in Sinfonik, Kammer- und Klaviermusik, in der Oper und eben der Kirchenmusik. Sie löst 1821/22 diesen Anspruch ein, weniger in der textreichen Teilen Gloria und Credo mit ihrem kadenzfreudigen Reihungszwang als in den kontemplativen Sätzen Sanctus und Agnus Dei mit ihren melodischen und harmonischen Wundern.

Demut und Überschwang

Bloß feierlich zu sein, wie es einer solchen fünfsätzigen Vollmesse in der Nachfolge Beethovens ansteht, genügte Sebastian Bethge nicht. Er schlug forsche Tempi an, achtete auf straffen Zug der musikalischen Entwicklung, auf Dringlichkeit der Inhalte des Lobpreises und Bekenntnisses, der Demut und des Überschwangs. Von schlanker, schmalgliedriger Gestalt, besitzt der Dirigent eine natürliche Eleganz. Seine Gesten lassen sich leicht und klar „lesen“ und öffnen so speziell bei seinen Chorsängern auch Innenräume für die Kommunikation.

Die Hersfelder Kantorei, mit gut 50 Sängern ausreichend besetzt, ließ sich zu ausgesprochen frischer, heller, geradliniger, unmissverständlicher Formulierung bewegen, zumal die jederzeit konkurrenzfähigen, hier dauerhaft in die obere Oktave geführten, entschieden attackierenden Soprane. Der Chor als ganzer hatte hier nicht nur etwas zu singen, sondern auch zu sagen. Er verstand sein Tun über die rein musikalische Aufgabe hinaus als Antwort – auf die schwankenden Fragen der Menschenexistenz. Ein Aufbruch, der das Weitergehen lohnt, demnächst unter anderem zu Bachs adventlichem Magnificat.

Unter den Vokalsolisten bestätigte Annegret Seiler in der von Schubert favorisierten Sopranpartie diesen inspirierten Zug nach vorn. Das stabilisierende, regulierende Element im Quartett war die Altistin Nicole Pieper, deren reiche, klar zeichnende Stimme einmal eine tragende solistische Aufgabe bekommen sollte. Christian Georg (Tenor) und Christoph Liebold (Bass) fügten sich lyrisch-schlankstimmig ins Ensemble ein.

Da capo für Frische und Energie: Auch die Landeskapelle Eisenach ließ sich die Vorgaben des Dirigenten nicht zweimal sagen und wurde zum kraftvollen, vitalen Schwungrad der Aufführung. Blumen und viel Beifall im Kirchenraum, der beim nächsten Anlass noch besser besetzt sein dürfte.

Von Siegfried Weyh

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