Irritationen zwischen Stadt Bad Hersfeld und Kirche um Jugendarbeit in der Hohen Luft

Anerkennung vermisst

Bad Hersfeld. Friede, Freude, Eierkuchen. Das war zunächst der Eindruck, als die Pfarrer Carsten Röhr und Christian Sack am Dienstag im Sozialauschuss der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung über die ökumenischen Kinder- und Jugendarbeit im Stadttteil Hohe Luft referierten.

Anlass für den Vortrag waren mittlerweile ausgeräumte Unstimmigkeiten über den Verwendungsnachweis für das Projekt „Jugend 2010“ gewesen, das die Stadt alljährlich mit etwa 40 000 Euro unterstützt.

Doch nach den Ausführungen der beiden Gottesmänner, die die Erfolge ihrer Arbeit in einem bunt bebilderten Heft dokumentiert hatten, brach sich ein Konflikt Bahn, der bei den Ausschussmitgliedern für erhebliche Irritationen sorgte: Denn im Verhältnis zwischen der Kirche und der Stadtjugendpflege steht es offenbar nicht zum Besten.

„Zusammenarbeit braucht Vertrauen,“ sagte der evangelische Pfarrer Röhr, „doch die gegenseitige Anerkennung hat uns gefehlt“. Sein katholischer Kollege Sack verwies auf ein Gespräch mit der Stadtjugendpflege, in dem man sich „als Angestellter gefühlt“ habe. Man sei jedoch ein freier Träger der Jugendarbeit.

„Sind kein Baustein“

Die Verzahnung und Vernetzung mit der städtischen Jugendarbeit hatte Bürgermeister Thomas Fehling den Kirchenleuten aufgegeben, um Dopplungen bei den Angeboten und Nebeneinanderher zu vermeiden.

„Wir sind kein Baustein der Stadtjugendpflege“, betonte jedoch Carsten Röhr und bezeichnete die „gegenseitige Wertschätzung“ als Grundlage einer gemeinsamen Arbeit.

Selbstbewusst

Röhr und Sack traten im Ausschuss durchaus selbstbewusst auf. Denn das 2008 begonnene Projekt „Jugend 2010“ hat sich im Brennpunkt Hohen Luft, in dem schon viele Initiativen gescheitert sind, etabliert. Selbst die sonst nur schwer einzubindenen Sinti nähmen teil.

Röhr führt die hohe Akzeptanz auf den Umstand zurück, dass die Angebote von Menschen gemacht würden, die im Stadtteil zu Hause sind. Auch ein gewisser „Grundrespekt vor der Kirche“ sei festzustellen. So habe man bisher in Räumen und an Einrichtungen fast keine Zerstörungen zu beklagen.

Als problematisch wird die begrenzte Perspektive empfunden: Weil immer nur von Jahr zu Jahr, von einer Zuschuss-Bewilligung bis zur nächsten geplant werden kann, ist schon eine Jugendarbeiterin nach Fulda in die Sicherheit einer festen Stelle geflüchtet.

Röhr betonte zudem, dass die Eigenleistung der Kirchen für „Jugend 2010“ in etwa genauso hoch sei wie die Zuwendung der Stadt.

Versöhnliche Töne

Am Ende der Diskussion gab es dann versöhnliche Töne. „Ich denke, das lässt sich beheben,“ sagte Ausschuss-Vorsitzender Thomas Klessa, um den Konflikt zu entkrampfen. Die beiden Pfarrer signalisierten Gesprächsbereitschaft wie auch Bürgermeister Fehling die Idee für einen runden Tisch zum Thema im Grundsatz guthieß.

Von Karl Schönholtz

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