Montagsinterview mit dem Bad Hersfelder SPD-Stadtverbandschef Gunter Müller

Andere wären glücklich

Schaut über den Tellerrand der Stadt Bad Hersfeld hinaus: Parteichef Gunter Müller. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Auch nach der verlorenen Bürgermeisterwahl ist Gunter Müller Bad Hersfeld erhalten geblieben: Er hat seinen Wohnsitz in die Kreisstadt verlegt, hat eine Anwaltskanzlei eröffnet und führt seit Juli den Stadtverband seiner Partei. Im Interview äußerte er sich zur Situation der SPD in Stadt und Kreis.

Herr Müller, Sie selbst haben es nicht geschafft, der Ronshäuser SPD-Kandidat nicht, und in Rotenburg ist SPD-Bürgermeister Fehr abgewählt worden. Sind die Sozialdemokraten im Kreis auf dem absteigenden Ast?

Gunter Müller: Diese Wahlergebnisse sind natürlich schmerzlich für die SPD. Es reicht wahrscheinlich nicht, dass man gute Programme hat. Grundsätzlich wird es unsere Aufgabe sein, als SPD noch näher an die Menschen heranzugehen und die Themen, die die Menschen betreffen, intensiver aufzunehmen.

Auch in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung ist der Eindruck entstanden, dass die SPD nach dem Abschied von Bürgermeister Boehmer ihre Souveränität verloren hat. Sehen Sie das auch so?

Müller: Meine Einschätzung ist da ein bisschen anders. Es gibt ja keine SPD-Fraktion, sondern einen Zusammenschluss mit Bündnisgrünen und FWG. Das ist erst einmal ein Prozess des Zusammenfindens. Aber ich meine, dass die tägliche Arbeit, die da geleistet wird, durchaus positiv ist. Es gelingt uns auch im Gegensatz zu anderen Fraktionen, uns auf Sachthemen zu konzentrieren.

Trotzdem: Hat die Hersfelder SPD nicht die personelle Erneuerung verschlafen? Die handelnden Kräfte sind seit Jahren oder gar Jahrzehnten dieselben.

Müller: Auch das sehe ich anders. Ich bin froh, dass wir hier handelnde Personen haben wie Professor Seitz, den Bernd Wennemuth oder Dr. Rolf Göbel. Das sind zwar die Haupt-Protagonisten auch in der Vergangenheit gewesen, doch so manch eine Kommune würde sich glücklich schätzen, wenn sie soviel Sachverstand im Parlament und im Magistrat hätte. Für die Zukunft sehe ich es natürlich als meine Aufgabe an, ein zusätzliches Personalangebot zu unterbreiten. Ich denke, wir sind jetzt schon ganz gut aufgestellt, aber wir müssen uns noch intensiver um Frauen kümmern, und darum, dass Frauen politische Verantwortung übernehmen.

Das erste Jahr mit dem neuen Bürgermeister ist fast vorüber. Wie sieht die SPD ihre Position zu Thomas Fehling?

Müller: Wir definieren uns nicht über unsere Position zum Bürgermeister, sondern versuchen eigene politische Ansätze zu entwickeln und diese auch in der Bevölkerung zu kommunizieren. Im Rahmen dieser Diskussionen nehmen wir natürlich mit auf, was von Herrn Fehling vorgelegt und geäußert wird. Doch da stelle ich fest, dass seine Vorhaben wie der Pedway am Schilde-Park, das Sportpark-Projekt oder die angebliche Verwaltungsreform nicht wirklich unterfüttert sind. Da wurden nur Themen besetzt, ohne dass man wirkliche Handlungen erkennen kann. Deswegen bin ich da durchaus kritisch.

Umgekehrt gefragt: Welche Akzente will denn die SPD in der Stadtpolitik setzen?

Müller: Der Stadtverband hat sich da ganz klar positioniert. Wir wollen bei der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken. Stichpunkte sind da die Familien und die Kinderbetreuung, aber auch das ökologische Thema. Nach wie vor halte ich es im Gegensatz zu dem jetzt vorgelegten Gutachten für möglich, dass wir unsere Energie auch kurzfristiger zu hundert Prozent selbst gewinnen können. Wir müssen interessant sein für Ansiedlungen, und wir müssen uns um die Menschen kümmern, die hier Arbeit haben und Arbeit suchen.

Sie haben ja kein Mandat in den Gremien, sich aber trotzdem schon in der Tagespolitik zu Wort gemeldet. Werden Sie sich weiter einmischen?

Müller: Ich habe in Leipzig fast 15 Jahre ein Mandat ausgeübt, deswegen kenne ich das Tagesgeschäft. Als Parteivorsitzender sehe ich darüber hinaus eine gewisse Verantwortlichkeit für die Themen in der Gänze.

Und was hat Sie bewogen, auch noch das Amt des Kreisvorsitzenden beim Roten Kreuz zu übernehmen?

Müller: Ich habe schon immer neben der Politik auch zusätzlich ehrenamtlich gearbeitet. Was das DRK macht, ist sehr wichtig für unsere Gesellschaft. Ich glaube, das ist eine lohnende Tätigkeit. Und deswegen habe ich angeboten, dass ich mich dort einbringe.

Von Karl Schönholtz

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