Ein Amt, viele Rollen: Was tut eigentlich ein Landrat?

Karl-Ernst Schmidt

Die Bürger in Hersfeld-Rotenburg wählen am heutigen Sonntag einen neuen Landrat für die nächsten sechs Jahre. Doch was genau macht er eigentlich?

Chef von 900 Mitarbeitern

Vom Hausmeister über die Schulsozialarbeiterin bis zum Amtsarzt: Der Landrat ist Chef von 900 Verwaltungsmitarbeitern. Er entscheidet völlig frei, wie die Dezernate unter den Kreisbeigeordneten aufgeteilt werde. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg teilt sich Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt die Dezernate mit der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz. Die fachliche Leitung der Abteilungen liegt zwar bei den Dezernenten, aber als Kämmerer und Personalchef ist der Landrat bei vielen Entscheidungen involviert.

Erster unter Gleichen

Der Landrat ist Vorsitzender des Kreisausschusses, sozusagen der Landkreisregierung, die sich alle zwei Wochen trifft. Sie ist zwar politisch besetzt, die Parteizugehörigkeit spielt laut Landrat Schmidt aber kaum eine Rolle: „Es geht um die Sache.“ Die meisten Entscheidungen werden einstimmig oder mit Mehrheit gefällt. Bei einem Patt würde zwar die Stimme des Landrats den Ausschlag geben, doch Schmidt kann sich nicht erinnern, dass das in seiner zwölfjährigen Amtszeit einmal vorgekommen ist.

Der Landrat und der Kreistag

Als ebenfalls von den Bürgern gewähltes Parlament beschließt der Kreistag über die wesentlichen Angelegenheiten des Kreises, etwa den Haushalt, und überwacht die Verwaltung. Kreistag und Landrat stehen daher in einem Spannungsverhältnis, doch die Zusammenarbeit klappt in der Regel gut, sagt Schmidt. Er bemühe sich, die Fraktionen über wichtige Themen frühzeitig zu informieren. „Transparenz und Offenheit ist mir wichtig“, sagt Schmidt, wobei er aber bei komplexen Themen wenig von öffentlichen Diskussionen hält. Doch mit diesem Rezept sei es fast immer gelungen, auch ohne eigene Mehrheit im Kreistag die nötigen Beschlüsse zu erhalten.

Langer Arm des Landes

Der Landrat übernimmt auch Aufgaben, die ihm vom Land Hessen übertragen werden, etwa im Katastrophen- oder Umweltschutz, der Tourismusförderung oder als Ausländerbehörde. In dieser Funktion haben Kreistag und Kreisausschuss kein Mitspracherecht, der Landrat ist ausschließlich an Recht und Gesetz gebunden. Dennoch bleibe auch da oftmals ein Ermessensspielraum, sagt Schmidt.

Blick auf den Haushalt

Von der Auszählung der Landratswahl berichten wir aktuell in einem Live-Ticker.

Ebenfalls im Auftrag des Landes übernimmt der Landrat die Aufsicht über die Kommunen. Aber auch in der Bürgermeisterdienstversammlung, zu der der Landrat einlädt, geht es hauptsächlich kollegial zu, sagt Schmidt: „Es sind ja immer die selben Menschen, um die es geht.“ Als Finanzaufsicht habe er defizitäre Kommunen aber schon seit Jahren zu Haushaltssicherungskonzepten gedrängt: „Der Weg obliegt der kommunalen Selbstverwaltung, aber es ist wichtig, dass sie es machen“, sagt Schmidt.

Der Repräsentant

Egal ob die Verleihung von Ehrenbriefen oder die Auszeichnung erfolgreicher Kleintierzüchter: Der Landrat ist hoher Repräsentant des Kreises, und so muss er sich oft auf Veranstaltungen sehen lassen. Er vertritt aber auch abseits der Öffentlichkeit die Interessen des Kreises, etwa beim Land. Mindestens einmal pro Woche ist Landrat Schmidt deshalb in Wiesbaden.

In Firmen und Verbänden

Die Arbeitswoche des Landrats hat selten unter 80 Stunden. Einen Teil davon verbringt er in den Gremien von Firmen und Verbänden, denen er meist qua Amt angehört. So sitzt er unter anderem in den Aufsichtsgremien von Sparkasse, Klinikum, Sozialer Förderstätte, Nordhessischem Verkehrsverbund, Landeswohlfahrtsverband und dem Landkreistag. Besonders wichtig waren zuletzt auch die Beteiligungen am neuen kommunalen Energieversorger EAM oder der Breitband-Gesellschaft Nordhessen.

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