Helen Schneider auf einer sehr persönlichen Reise über den Highway ihres Lebens

Amerikanische Träume

Die Bühne, die ihr Leben veränderte: Helen Schneider und Band in der Stiftsruine: Mini Schulz am Bass, Jo Ambros an der Gitarre und Marcel Gustke am Schlagzeug – gemeinsam entfalteten sie einen erstaunlichen Sound und rockten die Ruine. Fotos: Hans-Heinrich Hartmann

In diesem Moment schau ich dankbar zurück. Ich bin die selbe,

die ich einst war (...)

...ich bleibe eine von euch!

Wein nicht um mich Argentinien, Evita

Bad Hersfeld. Sie ist wieder da. Vor neun Jahren stand Helen Schneider als Eva Perón in Evita auf der Bühne der Stiftsruine. „Das war eine große Lebenserfahrung – jetzt bin ich zurück, und es ist hier so kalt, wie es immer war.“ Ein kühler Wind bläst durch die hohlen Fenster der Ruine, doch Helen Schneider lässt das Publikum schnell die Kälte vergessen und erwärmt seine Herzen.

Es ist ein sehr persönliches Programm, das die amerikanische Künstlerin aus Brooklyn, New York, an diesem kühlen Abend vorträgt. „Es sind Songs, die ich ständig im Herzen trage, die mir viel bedeuten“. Als kleines Mädchen habe sie diesen Liedern gelauscht, die ihre Mutter daheim am Klavier spielte.

„Es ist eine Möglichkeit, meine Seele auszudrücken“, sagt sie. Und diese Seele muss oft traurig sein. Helen Schneider nimmt das Publikum mit auf eine melancholische Reise durch den amerikanischen Traum, über oft holprige Highways, verewigt in den amerikanischen Musik-Klassikern.

To Hell with Real-Politik, lasst uns Frieden finden.

Helen Schneider

Mit dem jazzigen „Everybody loves my Baby“, das schon Doris Day sang, „Only you“ von den Platters und Duke Ellingtons „In my solitude“ haucht sie sich gefühlvoll-romantisch in den Abend. Ihre Band, Mini Schulz mit vollem Körpereinsatz am Bass, Jo Ambros, mal sanft, dann rockig an der Gitarre und Marcel Gustke am Schlagzeug, entfaltet dabei einen harmonisch-volltönenden Klangteppich. Ein goldener Mantel verhüllt Helen Schneiders schmale Gestalt. Nur die Lederhosen darunter geben einen Hinweis auf das, was später noch kommen soll.

„Then I caught the Blues“, sagt Helen Schneider und holt die Rock-Röhre raus. Die Band groovt, swingt und interpretiert, als sie Bob Dylans „Born in time“ und „Just like a Woman“ in die Nacht hinein schmettert.

Nach der Pause dann das Lied, auf das alle warten. „Bei Evita habe ich halbnackt auf der Bühne gestanden und dabei ein ganz anderes Vibrato entwickelt“, scherzt Helen Schneider, um dann ihren Hersfeld-Hit zu intonieren. „Wein nicht um mich, Argentinien“ – und so mancher im Publikum verdrückt wohl wehmütig eine Träne. „Ich hab’s versprochen“, sagt sie nach dem Lied und kehrt dann wieder zu den amerikanischen Klassikern zurück.

Helen Schneider erzählt vom Vietnam Krieg, ihrer Begegnung mit einem jungen, kriegsgebeutelten Veteranen, dessen Albträumen und ihrem Pazifismus. „To Hell with Real-Politik, lasst uns Frieden finden!“, ruft sie ins Ruinen-Rund, um dann Emmylou Harris Anti-Kriegs Hymne „Bang the drum slowly“ zu zelebrieren.

Auch Leonard Cohens schwermütige Düsternis darf nicht fehlen. Bei „By the Rivers dark“ entfaltet die Drei-Mann-Band ein erstaunliches Volumen. Das steigert sich noch, als Helen Schneider ihre Hommage an ihren deutschen Mentor Udo Lindenberg in den Nachthimmel röhrt. Die schwarze Lockenmähne von damals ist zwar ab, aber der „Rock ‘n’ Roll-Gypsy“ hat nichts von seinem Temperament verloren. „Das war ein unglaublicher Abend für mich und meine Jungs“, sagt Helen Schneider zum Abschied, bevor sie das Publikum mit „Dream a little dream“ träumend in die Nacht entlässt.

Helen Schneider bleibt eine von uns – hoffentlich sehen wir sie hier bald wieder!

Von Kai A. Struthoff

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