Frank Jordan und Band präsentieren einen „Netten Bukowski-Abend“ im Grebe-Keller

Amerika von ganz unten

Wir hier unten, ihr da oben: Frank Jordan (Mitte) mit seiner Band: Daniel Lüdke an der Gitarre, Markus Grosse am Schlagzeug und Martin Drees am Bass (von links) auf der Bühne des Grebe-Kellers. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Bukowski hätte sich hier wohlgefühlt! Whisky, Wein und schöne Frauen – im Grebe-Keller gibt es alles. Ein „netter Abend“ mit dem Dirty-Ol’-Mann der amerikanischen Literatur soll es werden – eigentlich ein Widerspruch in sich. Denn Frank Jordan und seine drei-köpfige Band nehmen die Zuhörer mit ganz bis nach unten – viel weiter als nur ein paar Meter unter den Linggplatz: Tief hinab in die Abgründe des amerikanischen Traums.

Früher waren die Bücher und Gedichte von Charles Bukowski Tabu-Brüche. Wer las schon öffentlich ein Paper-Back mit dem Titel „Fuck Maschine“. Ähnlich deftig auch die Lyrik des ehemaligen Leichenwäschers, Postboten, Trinkers und Spielers, der in drastischen Worten über Porno-Drehs, Saufgelage und immer wieder die Pferderennbahn schrieb und damit die heile Welt des prüden Nachkriegsamerikas mächtig durcheinanderwirbelte.

Der Hamburger Schauspieler Frank Jordan ist für das Hersfelder Festspiel-Publikum kein Unbekannter. 1995 und 1996 stand er als Cliff Bradshaw in „Cabaret“ auf der Bühne der Stiftsruine, 1995 außerdem in der Regie von Günther Fleckenstein in „Der Rattenfänger“. In 2010 verkörperte er Kirill Dudakow in „Sommergäste“, und er spielte in der „West Side Story“. Im vergangenen Jahr reüssierte er als Büchernarr „Benno von Uppsala“ in „Der Name der Rose“. In dieser Rolle kehrt er auch 2012 in die Stiftsruine zurück.

Wenig „mönchisch“ gibt er sich allerdings bei seinem Bukowski-Abend im Grebe-Keller. Immer wieder nimmt Jordan ein Schluck aus der Bierpulle, die amerikanisch-stilecht in einer brauen Papiertüte steckt. Die Zigarette baumelt lässig hinter dem Ohr. Der schwarze Anzug ist modisch-zerknautscht.

Vom Rand der Gesellschaft

Begleitet wird Jordan, der selbst Mundharmonika spielt, von Markus Grosse am Schlagzeug, Martin Drees am Bass und Daniel Lüdke an der Gitarre, der auch alle Partituren geschrieben hat. Die drei Hamburger Vollblutmusiker legen einen bluesig-jazzig-rockigen Sound-Teppich unter Jordans stimmige Adaption der Gedichte von Bukowski. Mal flüsternd, mal krächzend, heftig grimassierend, laut und direkt oder leise und verdruckst interpretierte Jordan die Lyrik des „alten Schweinepriesters“.

Es sind kleine Alltagsgeschichten über den Vater, der Chili und Bohnen liebt und dann „stundenlang furzt“, über „kleine braune Kerle, die einfach das Auto einparken und dann das Haus ausräumen“, oder von einer flüchtigen Kneipenbekanntschaft: „Eine klasse Frau – bis auf das Fluchen!“

„Bukowski schrieb vom Rand der Gesellschaft, war ein zynischer Beobachter, aber auch ein Kämpfer mit Mut und Vision“, beschreibt Jordan seine Faszination für den literarischen Outlaw, dessen Credo auch nach diesem wirklich netten Abend im Grebe-Keller gilt: „Es kommt selten so, wie man denkt – eigentlich nie.“

Von Kai A. Struthoff

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