Die Bad Hersfelder Stadtkirchengemeinde feiert ihr neues Martin Luther Haus

Ambitioniertes Ensemble

Ein Prosit auf den neuen Treffpunkt der Bad Hersfelder Stadtkirchengemeinde: Pfarrer Georg von Schultz (rechts) erhob das Glas mit den Gästen der Einweihungsfeier am Reformationstag. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. Eine „gehörige Portion Gottvertrauen“ sei mit im Spiel gewesen, doch am Ende habe es eine „Punktlandung“ zum Reformationstag gegeben: Mit dieser Feststellung umriss Dekan Ulrich Brill die zeitweise turbulente Geschichte, die der Bad Hersfelder Stadtkirchengemeinde jetzt eine neue Heimstatt und einen neuen Treffpunkt in unmittelbarer Nähe des Gotteshauses bescherte.

Denn in den gut zwei Jahren vom Abriss des alten Gemeindehauses am Kurpark bis zur Einweihung des neuen Martin Luther Hauses am Kirchplatz hatten die Bauherren des 1,7 Millionen-Euro-Projekts ein Wechselbad der Gefühle erlebt.

Trotz zeitlicher Verzögerung durch Funde im historischen Baugrund, trotz der Selbstverpflichtung zum Sparen und trotz der Schwierigkeiten bei der Bauausführung – das Konjunkturprogramm der Bundesregierung hatte der Branche einen Boom beschert und die Preise in die Höhe getrieben – überwog am Ende bei allen Beteiligten der Stolz über das Erreichte.

Als „wunderschön“ bezeichnete Georg von Schultz, geschäftsführender Pfarrer der Stadtkirchengemeinde, den Neubau, dessen Gestaltung auch für Architekt Frank Dorbritz eine besondere Aufgabe war. Im Bewusstsein um die jahrhundertelange Tradition von Kirchenbauten habe er sich darum bemüht, das Neue der historischen Umgebung unterzuordnen, sagte Dorbritz und verwies dabei auf die dunkle, unaufdringliche Fassade.

Dass das Luther-Haus dennoch gestalterische Elemente aufweist wie ein „typischer Dorbritz“, befeuerte spontane Diskussionen unter den Festgästen. Dekan Brill hatte bereits im Gottesdienst vor der Einweihung von einem „ambitionierten Ensemble“ gesprochen.

Das warte nun darauf, mit Leben erfüllt zu werden, hatte Brill weiter gesagt, und Kollege von Schultz kündigte für die nächste Zeit eine Sitzung des Kirchenvorstandes an, der über die inhaltliche Nutzung des Gemeindehauses beraten wird. Sicher ist, dass hier die Kantorei ihren Platz finden wird, die Krabbelgruppen ebenfalls, und der große Saal ist groß genug für die Sitzungen der Kreissynode. Besonderer Dank für ihr Engagement beim Neubau galt der Kirchenvorstandsvorsitzenden Helga Völker und Alexander Reitz, dem Leiter des Kirchenkreisamtes.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass Einweihungen von Neubauten in Zeiten leerer Kirchenkassen eine Seltenheit seien. Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel, der namens der städtischen Gremien sprach, sah gar den Beginn einer „neuen Epoche für die Stadtkirchengemeinde“.

Dr. Göbel hatte zuvor gemeinsam mit anderen Stadtoberen die Kirche über den extra geöffneten „Magistratseingang“ betreten und so die Verbundenheit des weltlichen Hersfeld mit dem geistlichen demonstriert.

Gleichzeitig mit dem Luther-Haus wurde auch der neue Orgel-Steg in der Kirche eingeweiht.

Von Karl Schönholtz

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