400 Euro Weihnachtsgeld – Auch heute Streik

Amazonier wollen keine „Almosen“

Kein Streik ohne Transparent. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Als kleinen Erfolg sehen die streikenden Amazonier aus Bad Hersfeld und ihre Verdi-Vertreter die Ankündigung des Internet-Versandhändlers, Weihnachtsgeld zu zahlen. Immerhin sei das noch vor zwei Monaten undenkbar gewesen, erklärte Verdi-Sekretär Heiner Reimann. Mit der Höhe sind sie allerdings nicht zufrieden, zudem gelte es nicht für kaufmännische Angestellte. Amazon wolle Kommissionierern 400 Euro zahlen und Vorarbeitern 600 Euro.

Für viele der Beschäftigten, die sich gestern wieder in der Schilde-Halle versammelt hatten, ist das zwar ein kleiner Erfolg nach den Aktionen der vergangenen Monate. Gleichzeitig bewerteten sie die 400 Euro als „Almosen“, mit denen man sich nicht so einfach abspeisen lassen wolle.

Es war gestern bereits der sechste Streiktag am Standort Bad Hersfeld seit April, inklusive zweier Warnstreiks. Etwas über 300 Beschäftigte der Frühschicht hatten sich am Vormittag eingefunden, am Nachmittag waren auch die Spätschichtler aufgerufen, sich zu beteiligen. Damit waren zwar weniger Amazonier gekommen, als bei den letzten Aktionen. Heiner Reimann machte dafür aber vor allem die Urlaubszeit, den Freitag und die spontane Entscheidung für einen Streik verantwortlich.

Die Streikenden wollen einen Tarifvertrag, nach dem ihnen die Tariflöhne des Einzel- und Versandhandels bezahlt würden. Bislang orientiert sich das Unternehmen an den Löhnen der Logistikbranche. Weihnachts- oder Urlaubsgeld gab es nicht. Kritik war gestern in der Schilde-Halle auch am Führungsstil bei Amazon und an einer „mangelnden Wertschätzung“ der Mitarbeiter zu vernehmen. Zudem beklagten sich einige Amazonier über Mobbing gegenüber Gewerkschaftsmitgliedern.

Ein Grußwort an die Streikenden richtete Pfarrer Christian Sack. Für harte Arbeit müsse auch ein gerechter Lohn gezahlt werden, der Kampf dafür sei bitter nötig, sagte der Geistliche.

Laut Amazon haben die Streiks bisher keine Auswirkungen auf das laufende Geschäft beziehungsweise für die Kunden gehabt. Verdi-Sekretär Heiner Reimann mag das allerdings nicht glauben: „Einzelne Artikel waren nicht immer sofort lieferbar“, sagte er.

Illusionen, dass es in naher Zukunft einen Tarifvertrag geben könnte, mache man sich nicht, so die zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Wenn man bundesweit weiter Druck erzeuge, könne sich aber eine „Tarifbewegung entwickeln“. In Bad Hersfeld seien jedenfalls weitere Aktionen geplant. „Wir bleiben kreativ“, kündigt Heiner Reimann an. Auch heute wird es wieder Arbeitsniederlegungen geben, das hatte die Tarifkommission gestern noch während der Versammlung in der Schilde-Halle beschlossen. Das sagt ...

Von Nadine Maaz

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