Neue Kindertagesstätte nimmt Betrieb auf – Noch kein Bedarf beim Logistiker

Amazonia ohne Amazon

Bad Hersfeld. Mit zweimonatiger Verspätung hat die neue Kindertagesstätte „Amazonia“ in Bad Hersfeld jetzt ihren Betrieb aufgenommen. Während die drei Krippengruppen mit je zehn Plätzen bereits voll belegt sind, ist die exklusiv für die Beschäftigten des angrenzenden Logistikzentrums gedachte Kindergartengruppe allerdings noch verwaist – bis heute liegt keine einzige Anmeldung aus der Belegschaft von amazon.de vor.

Dies bestätigten Bad Hersfelds amtierender Bürgermeister Lothar Seitz und sein für die städtischen Kindergärten zuständiger Mitarbeiter Horst Gerlich gestern bei einer Besichtigung der neuen Einrichtung.

Höhere Gebühren

Dabei waren der Bau und der auf die Schichtzeiten abgestimmte Betrieb von „Amazonia“ Bestandteil der Vereinbarungen, die zwischen der Stadt und dem Internet-Versandhaus im Vorfeld der Errichtung des neuen Logistikzentrums getroffen worden waren.

Den Vertretern der Stadt Bad Hersfeld ist allerdings klar, dass aus den Nachbarkreisen einpendelnde Amazon-Beschäftigte ihre Kinder nur dann anmelden, wenn sie auf eine finanzielle Unterstützung ihres Arbeitgebers zählen können: Die Gebühren für „Amazonia“ liegen mangels öffentlicher Förderung deutlich höher als bei Betreuungsplätzen für die Kinder von Hersfelder Eltern.

Gespräche seitens der Stadt mit dem Unternehmen hat es gegeben, getan hat sich allerdings noch nichts. „Wir warten erst einmal bis zum Frühjahr ab, und falls sich dann noch nichts tut, könnten die „Amazonia“-Kindergartenplätze auch mit Kindern aus Bad Hersfeld belegt werden,“ sagte Horst Gerlich. Bedarf sei vorhanden.

Im Gespräch ist derzeit die Anbindung von „Amazonia“ an die Buslinien aus und in Richtung Hauneck,

Der im Moment wohl schönste Kindergarten der Stadt ist mit Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro am Ende auch deutlich teurer geworden als usprünglich gedacht. Hauptursache war die Verlegung des Standortes, wodurch eine neue Zuwegung erforderlich wurde. Auch das aufwendig ausgestattete Außengelände, das einer Fluss- und Dschungellandschaft (Amazonas) nachempfunden ist, wurde dadurch größer als zunächst geplant.

Die Verzögerung bei der Inbetriebnahme erklärten sich in erster Linie durch zu hohe Feuchtigkeit im Bodenestrich, der die Verlegung des Holzparketts über Wochen unmöglich machte.

Die Mehrkosten betragen nach Stand der Dinge knapp 300 000 Euro. Entworfen hat das innen und außen mit viel Holz gestaltete Gebäude der Bad Hersfelder Architekt Norbert. J. Klos..

Von Karl Schönholtz

Kommentare