Online-Versandhaus setzt nach Kritik auf heimische Kräfte

Amazon will für  Weihnachtsgeschäft keine Leiharbeiter unterbringen

+

Hersfeld-Rotenburg. Das Internet-Versandhaus Amazon setzt für das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr auf heimische Arbeitskräfte. Nach einer Reportage über die Lebens- und Arbeitsbedingungen spanischer Aushilfen im Logistikzentrum Bad Hersfeld war der Versandhändler deutschlandweit in die Kritik geraten.

„Amazon stellt in diesem Jahr saisonale Mitarbeiter nur auf regionaler Ebene ein, sodass keine externe Unterbringung notwendig ist“, teilt das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Deutschlandweit suche Amazon 14 000 Mitarbeiter. Wie viele Arbeitskräfte am Standort Bad Hersfeld benötigt werden, bezifferte das Unternehmen nicht. „Mit Zeitarbeitsagenturen kooperieren wir erst dann, wenn der lokale Arbeitsmarkt erschöpft ist“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Aktualisiert um 15 Uhr.

Nach dem massiven Medienecho im vergangenen Jahr wolle Amazon Negativschlagzeilen vermeiden, schätzt Heiner Reimann, Amazon-Experte der Gewerkschaft Verdi, die Situation ein. Zudem habe Amazon in Bad Hersfeld das Sortiment umgestellt: Vom Logistikzentrum an der Amazonstraße würden jetzt hauptsächlich Textilien versendet. In diesem Bereich rechne das Unternehmen offenbar mit einem geringeren Anstieg der Bestellungen. Mit innerbetrieblichen Versetzungen an den Standort am Eichhof solle auf den erhöhten Arbeitskräftebedarf reagiert werden. Dass Amazon nicht ganz ohne Saisonkräfte auskommt, leuchtet auch Heiner Reimann ein. Direkt bei Amazon angestellt, sei deren Verdienst jedoch höher, als bei Leiharbeitsfirmen, sagt Reimann. „Ich würde es begrüßen, wenn die Saisonkräfte für das Weihnachtsgeschäft aus der Region kommen“, betont der Gewerkschafter. Abgesehen von Studenten seien viele, die mehrfach als Saisonkraft eingesetzt waren, jedoch auf der Suche nach einer längerfristigen Perspektive, sagt Reimann. Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare