SPD-Kanzlerkandidat besucht Logistikzentrum in Bad Hersfeld

Amazon: Steinbrück wirbt für Tarifverträge

Bad Hersfeld. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat den Beschäftigen bei Amazon den Rücken gestärkt. Bei einem Besuch des Logistikzentrums in Bad Hersfeld lobte er Amazon als sehr erfolgreiches Unternehmen, mahnte aber an, dass auch die Sozialpartnerschaft stimmig sein müsse.

„Ich bin für Tarifverträge“, sagte Steinbrück nach einem fast zweistündigen Besuch bei Amazon und separaten Gesprächen mit Gewerkschaft und Geschäftsleitung. Derzeit wolle Amazon aber keine Verhandlungen aufnehmen. Verdi will den Internethändler dazu bringen, seine Mitarbeiter nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel zu bezahlen. Bisher gilt bei Amazon der Tarif für die Logistikbranche.

In Sachen Leiharbeit, für die Amazon zuletzt viel Kritik geerntet hat, zeigte sich die Geschäftsführung gegenüber Steinbrück zu Verbesserungen bereit. Scharfe Kritik übte der SPD-Politiker an „legaler Steuervermeidung“ durch die Aufgliederung von Firmen in verschiedenen Ländern.

Zufrieden mit dem Besuch zeigte sich die Geschäftsleitung. Sein Unternehmen habe sich als „guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber“ präsentieren können, der mit seinen Löhnen im oberen Bereich der Logistikbranche liege, sagte Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon.de. „Deutschland ist wichtig für Amazon, aber Amazon ist auch wichtig für Deutschland“, betonte Kleber und verwies auf die 9000 festen Arbeitsplätze, die in Deutschland geschaffen wurden, davon etwa ein Drittel in Bad Hersfeld.

Auch die Gewerkschaft Verdi wertete den Besuch Steinbrücks als Erfolg. Er habe einen guten Eindruck davon gewinnen können, wie bei Amazon gearbeitet wird. „Der deregulierte Arbeitsmarkt muss wieder reguliert werden“, forderte der Landesbezirksleiter von Verdi in Hessen, Jürgen Bothner. Man sei sich mit Steinbrück einig, dass Korrekturen bei Leiharbeit und Befristungen nötig seien. Zum Tage Hintergrund, Seite 2

Von Kai A. Struthoff

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