Arbeitsagentur vermutet bessere Entlohnung als Grund

Amazon statt Fleischtheke oder Friseursalon: Arbeitskräfte wandern aus anderen Branchen zu

+
Trotz wiederholter Streiks scheint Amazon in Bad Hersfeld ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Bad Hersfeld. Amazon statt Fleischtheke oder Friseursalon: Immer mehr Menschen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg scheinen einen unbefristeten Vertrag bei dem Online-Versandhändler in Bad Hersfeld einem schlechter bezahlten Job in ihrem eigentlichen Beruf vorzuziehen.

„Eine solche Entwicklung beobachten wir seit einigen Jahren“, berichtete Karsten Ott, Teamleiter des Arbeitgeberservices der Arbeitsagentur in Bad Hersfeld im Rahmen eines Pressegesprächs von Amazon am Montag.

Betroffen seien von diesem Trend der Abwanderung zum Beispiel der Einzelhandel, das Friseur- sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Gründe sind vermutlich geringere Löhne, Zeitverträge oder Teilzeitjobs in den genannten Branchen.

Aktuell arbeiten an beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld circa 3700 Menschen, von denen 70 bis 80 Prozent unbefristet beschäftigt sind.

Der Versandhändler, der selbst von ungebrochenem Wachstum spricht, sei somit ein wichtiger Arbeitgeber auf dem örtlichen Arbeitsmarkt, so Ott, und habe auch Anteil an der positiven Entwicklung mit Blick auf die vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit im Kreis.

Schwer zu besetzen seien im Landkreis jedoch Ausbildungsplätze zur Fachkraft Lagerlogistik, bezogen auf die gesamte Logistikbranche. „Viele junge Leute kennen diesen Beruf vielleicht entweder noch gar nicht oder haben falsche Vorstellungen“, vermutet Ott. Immer beliebter würde hingegen das duale Studium.

Bei Amazon in Bad Hersfelder sind derzeit sieben Auszubildende beschäftigt, fünf zur Fachkraft Lagerlogistik und zwei zum Fachinformatiker für Systemintegration. 35 Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) Standort Bad Hersfeld haben seit 2004 ihren Studienteil bei Amazon absolviert, Fachrichtung Logistikmanagement.

In Sachen Streik sieht man bei Amazon weiterhin keine Notwendigkeit für Gespräche oder Kompromisse. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) fodert seit nunmehr drei Jahren einen Tarifvertrag. Amazon verweist seit jeher auf die Löhne am oberen Rand der Logistbranche, zudem sei man kein Einzelhändler, sondern ein Logistiker.

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Zeitung und im E-Paper.

Kommentare