Beschäftigte wollen am Prime Day ein Zeichen setzen

Bei Amazon in Bad Hersfeld wird wieder gestreikt

Bad Hersfeld. Aus der Schicht heraus sind Mitarbeiter des Amazon-Standorts Bad Hersfeld am Dienstag in den Streik getreten. Die Arbeitsniederlegung begann um 7.45 Uhr und dauert den ganzen Tag bis zum Ende der Spätschicht an, teilt Verdi mit.

Die Streiks finden im Rahmen des schon länger schwelenden Arbeitskampfes um die Anerkennung des Branchentarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel statt. Amazon ist bisher nicht bereit, mit Verdi über eine Tarifbindung zu verhandeln.

Amazon habe am sogenannten Prime Day seinen Kunden weltweit über 100.000 Angebote versprochen. Die Amazon-Beschäftigten warten weiterhin auf ein einziges Angebot: einen Tarifvertrag, begründet die Gewerkschaft die Aktion.

Amazon lasse sich die weltweite Rabattaktion richtig was kosten und erwarte ein hohes Bestellvolumen. Auch am Standort Bad Hersfeld seien neue Mitarbeiter befristet eingestellt und Überstunden angesetzt worden. „Wir nehmen diesen Prime Day zum Anlass, um ein Zeichen zu setzen, dass die Beschäftigten für ihre gute und anstrengende Arbeit eine Bezahlung und Arbeitsbedingungen nach Tarif verdient haben,“ sagt die für den Standort Bad Hersfeld zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke.

In der andauernden Auseinandersetzung hat es bisher kaum Bewegung gegeben. Der Online-Versandhändler verweist unter anderem auf die Löhne im oberen Bereich der Logistikbranche. Mitarbeiter starteten mit einem durchschnittlichen Basislohn von umgerechnet 10,40 Euro brutto pro Stunde. Nach zwei Jahren seien es im Durchschnitt 12,41 Euro. Hinzu kommen Extras wie Bonus, Weihnachtsgeld und Mitarbeiter-Aktien.

Zum aktuellen Streik äußert sich das Unternehmen wie folgt:

„Im Logistikzentrum FRA 1 haben wir uns seit Ostern auf den Prime Day vorbereitet. Ende Juni haben wir zusätzliche Mitarbeiter dafür eingestellt", so Standortleiter Christian Dülfer. Außerdem haben wir zahlreiche Bestsellerprodukte für den heutigen Aktionstag eingelagert. Für unsere Mitarbeiter gibt es heute gratis Eis, Prime-Day-T-Shirts und wir veranstalten ein Prime-Day-Quiz.“

„Im Amazon Logistikzentrum FRA3 in Bad Hersfeld sind die Vorbereitungen für den Prime Day bereits Ende Mai gestartet. Seit Anfang Juni lagern wir speziell für diesen Aktionstag Produkte ein. Die ersten Mitarbeiter für den Prime Day haben wir Anfang Juli eingestellt", ergänzt der dortige Standortleiter Norbert Brandau. FRA3 ist auf Kleidung und Schuhe spezialisiert.

Die bisher von der Gewerkschaft organisierten Arbeitsniederlegungen in Bad Hersfeld hätten noch keinen Einfluss auf die Einhaltung des Kundenversprechens gehabt. Die Mehrheit der Mitarbeiter arbeite regulär, nur ein kleiner Teil nahm an den Protesten teil. "Wir zeigen Tag für Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", heißt es vonseiten Amazons. Übrigens sei die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung und des ifo-Instituts nicht tarifgebunden – gerade 35 Prozent der Unternehmen hätten einen Tarifvertrag. (red/nm)

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