Dienstleister erwägt juristische Schritte nach Bericht

Amazon: CoCo sieht sich als Bauernopfer

Bad Hersfeld/Leipzig. Die vom Internet-Versandhändler Amazon mit der Betreuung ausländischer Leiharbeiter betraute Leipziger Dienstleistungsfirma CoCo Job Touristik kündigt nach dem viel diskutierten Fernsehbericht rechtliche Schritte gegen die Autoren an. „Wir haben den Eindruck, dass hier eine politische Grundsatzdebatte über Leiharbeit auf unserem Rücken als Dienstleister ausgetragen wird“, lässt die Firma über ihren Anwalt mitteilen.

Amazon hatte nach dem Filmbericht über angebliche Missstände im Umgang mit Leiharbeitern die Zusammenarbeit mit CoCo für beendet erklärt. Laut CoCo werde jedoch lediglich der ohnehin zum Monatsende auslaufende Vertrag zunächst nicht neu abgeschlossen.

Wie überall im Massentourismus gebe es auch bei der Unterbringung von Leiharbeitern immer Beschwerden von Einzelnen. Dafür habe das Unternehmen Reiseleiter vor Ort eingesetzt. „Für die Gäste aus den verschiedensten europäischen Ländern haben wir sogar Dolmetscher eingesetzt“, heißt es weiter. Den Autoren wirft das Dienstleistungsunternehmen Polemik vor: „Da wird ein sauberes und ordentliches, aber halt nicht topmodernes Hotel aus den 70er-Jahren als ‘heruntergekommen’ abgewertet. Dass Gäste nicht ‘befördert’ werden, sondern ‘angekarrt’, entlarvt sich doch als perfide Stimmungsmache“, schreibt Rechtsanwalt Prof. Dr. Ralf Höcker im Auftrag von CoCo.

„Hausfriedensbruch“

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„Und dass die HR-Journalisten für eine gute Einschaltquote auch vor Hausfriedensbruch nicht zurückschrecken, wird ein juristisches Nachspiel für die Reporter haben“, heißt es weiter. Der Sicherheitsdienst sei eingesetzt worden, da es in der Vergangenheit unter den Leiharbeitern zu Schlägereien, Diebstählen, Alkoholexzessen, bis hin zur Verwüstung von Unterkünften und sogar einer versuchte Vergewaltigung gekommen sei. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten sich die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma korrekt verhalten. „Es ist offensichtlich das übliche Vorgehen amerikanischer Unternehmen, sich sogar schon bei unbewiesenen Vorwürfen von Dienstleistern zu trennen, um das eigene Image zu schützen“, heißt es weiter. (jce)

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