Leidenschaftliche Debatte der Stadtverordneten

Windkraft auf dem Wehneberg:Wo ist die Alternative?

Bad Hersfeld. Den Zwiespalt, in dem sich nicht wenige der Bad Hersfelder Stadtverordneten beim Thema Windkraft auf dem Wehneberg befanden, machte niemand deutlicher als die Bündnisgrüne Antje Fey-Spengler.

Praxis und Wohnhaus der Tierärztin befinden sich in Sichtweite des Waldes, in dem die annähernd 200 Meter hohen Rotoren errichtet werden sollen. Von einer „Gewissensentscheidung“ sprach die Parlamentarierin deshalb in der Debatte über die Änderung des Flächennutzungsplanes und fragte nach einer Alternative zur Windkraft. Weil das für die Stadt erstellte Gutachten zum Klimaschutz nur diese Variante der regenerativen Energie als realistisch einschätzt, stellte Fey-Spengler am Ende ihre eigenen Interessen zurück und stimmte mit „Ja“. So wie Fey-Spengler hatte sich auch ihre Partei- und Fraktionskollegin Monika Schmidt im Vorfeld der Abstimmung „massivem Druck“ von Seiten der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtwald“ ausgesetzt gefühlt. Schmidt sprach von einem „beunruhigenden Klima in der Stadt“. Sie sah die Windräder auch als Zeichen für „eine Stadt, die den Klimaschutz ernst nimmt“.

Die Vernichtung eines Naherholungsgebietes geißelte hingegen der CDU-Fraktionsvorsitzende Gunter Grimm, der zudem kritisierte, dass die Einwände von Ortsbeiräten und der betroffenen Bürger negiert worden seien. Auch Hans-Jürgen Schülbe (Unabhängige) hätte lieber „einen Beschluss der gesamten Bürgerschaft“ gehabt.

Schaden ist größer

Die Neue Bürgerliste NBL lehnt die Propeller auf dem Wehneberg geschlossen ab. „Der Schaden ist größer als der Nutzen“, sagte Fraktionschef Michael Bock. Silvia Schoenemann (CDU) plädierte dafür, den Sachverhalt noch einmal neu zu bewerten.

Bernd Böhle, Vorsitzender der Liberalen, erinnerte freilich daran, dass die politische Grundsatzentscheidung für die Anlagen bereits vor mehr als einen Jahr gefallen sei – mit großer Mehrheit. Auch Bürgermeister Thomas Fehling verwies darauf, dass der Magistrat lediglich den seinerzeitigen Beschluss der Stadtverordneten umgesetzt habe, nach Ausarbeitung eines Kriterienkatalogs einen Investor und Betreiber auszuwählen. „Über die Auswirkungen hätte man sich vorher Gedanken machen müssen“, sagte Fehling, der ja keinen Hehl daraus macht, persönlich gegen den Standort Wehneberg zu sein.

Uwe Kohlstädt (NBL) ging sogar so weit, die jetzt aufgeflammte neuerliche Diskussion als „Scheindebatte“ zu bezeichnen. Auch Roland Luley (SPD), der im Gegensatz zu den meisten seiner Fraktionskollegen von SPD, Grünen und FWG mit „Nein“ stimmte, hatte die nun erfolgte Einleitung des Änderungsverfahrens zum Flächennutzungsplan als „nachrangig“ bezeichnet, weil die Windkraft als „privilegiertes Projekt“ betrachtet werde und die Genehmigung der Anlagen ohnehin nicht mehr Sache der Stadt, sondern des Regierungspräsidiums sei. Die Verträge mit der Firma ABOWind seien einzuhalten.

Gerhard Finke (SPD) verwies darauf, dass die Prüfung des Standorts „ergebnisoffen“ erfolge. Vorwürfe, die Gutachter seien „gekauft“, bezeichnete er als „Verschwörungstheorien“.

Für Friedrich-Wilhelm von Baumbach (Grüne) rochen die Argumente der Kritiker „sehr nach Populismus“. Er sprach sich für die Windkraft als verträglichere Alternative zu fossilen Energieträgern aus und sah in den erwarteten Pachteinnahmen für die Stadt eine „Möglichkeit, den Stadtwald ökologisch zu bewirtschaften“.

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Von Karl Schönholtz

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