„Oben bleiben!“ – Facettenreiche Gerit Kling begeistert mit Monolog im Grebekeller

Altern ist ein Problem

„Oben bleiben!“ im Grebekeller: Gerit Kling als Vera Landis gab sich während ihres 70 Minuten dauernden Monologs facettenreich. Mal witzelte sie, mal gab sie sich sarkastisch. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. „Hinten ist da, wo ich bin. Ich muss es ja wissen, schließlich war ich lange genug vorne.“ Dies ist die bittere Bilanz der alternden, ehemals von Erfolg verwöhnten Seriendarstellerin Vera Landis (Gerit Kling), die in der schäbigen Garderobe auf der Hinterbühne eines drittklassigen Theaters gestrandet ist.

Kurz vor ihrer ersten Theaterpremiere nach über 20 Jahren ist ihr Bühnenpartner und Ex-Mann Tom Wittek, ebenfalls beliebter Serienstar, spurlos verschwunden. Stattdessen trifft sie überraschenderweise auf ein Publikum, welches bei ihr auf der Hinterbühne sitzt. Zunächst irritiert, ergreift sie jedoch bald die Gelegenheit und rechnet vor dem unverhofften Publikum mit den Höhen und Tiefen eines Schauspielerinnenlebens, das von Jugendwahn und der Jagd nach Quoten geprägt ist, ab.

Gerade das Älterwerden sei für eine Schauspielerin sehr problematisch; während Männer im Alter interessant würden, würden Frauen im Alter einfach nur alt. Obwohl sie zum Glück meist nachts altere, wenn’s keiner sieht, nimmt Vera gegen ihre Depressionen Psychopharmaka – „das ist wie ein Schaumbad für den Kopf“ – die sie mit Bergkräutertee hinunterspült. Als sie dann in der Garderobe auch noch telefonisch erfährt, dass ihre Fernsehserienrolle mit einer jüngeren Schauspielerin neu besetzt wird, versucht sie sich kämpferisch mit „man muss absaufen, um neu zu starten“ neuen Mut zu fassen. Es gelte halt oben zu bleiben, egal welchen Preis es koste.

Witzig und sarkastisch

Die Zuschauer im Grebekeller erlebten eine faszinierende, facettenreiche Gerit Kling, die sich den lang anhaltenden Applaus für ihren mal witzig, mal sarkastisch vorgetragenen, gut 70 Minuten währenden Monolog, mehr als verdient hatte.

Nach dem Schlussapplaus hielt Götz Geisler unter Anspielung auf das gerade gesehene Stück noch ein kurzes aber leidenschaftliches Plädoyer für die Qualität der Bad Hersfelder Festspiele. „Leute, wir wollen doch keine Quote, wir wollen Kunst!“ gab er den Zuschauern und Freunden des Grebekellers unter heftigem Beifall mit auf den Heimweg.

Der Grebekeller geht nach einer ereignisreichen Woche in die Sommerpause. Am 7. September geht es wieder weiter mit Oda Pretzschner, bekannt aus „Die Wanderhure“, die ein Programm zum Thema „Liebe und Jagd“ präsentieren wird. (tl)

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