250 Dinge, die wir an der Region mögen (194): Der Weinberg am Rotenburger Teufelsberg

Alte Tradition neu belebt

Justus und Eva Ruck neulich bei der Weinlese im strahlenden Sonnenschein. Justus darf mithelfen, die Trauben des Regent abzuschneiden. Eva Ruck kocht aus den Trauben auch Gelee. Foto: Meyer

Rotenburg. Sie bieten einen für Waldhessen ungewohnten Anblick, die langen grünen Reihen entlang des Hangs am Teufelsberg in Rotenburg. Der Verein Rotenburger Weinfreunde bewirtschaftet hier seit 2006 einen Weinberg mit rund 1000 Weinstöcken.

Weinbau hat Tradition in Rotenburg. Davon zeugen etwa die geläufige Bezeichnung „Am Weinberg“ für einen Hang bei Rotenburg oder auch Schnitzereien an einem Haus in der Altstadt, die schwere Weintrauben zeigen. Eine Wärmeperiode machte den Weinanbau im Mittelalter möglich, erklärt Heinrich Wacker von den Weinfreunden. Und heute mache sich der Klimawandel bemerkbar und verschiebe die Grenze für guten Wein immer weiter nach Norden.

Rotenburgs damaliger Bürgermeister Manfred Fehr initiierte das Projekt Weinberg einst. Ein geeigneter Ort war schnell gefunden: Auf den Wein am Teufelsberg scheint lange die Abendsonne, und kalte Luft kann von hier gut ins Tal abfließen. Roter Regent und Grauburgunder sind die Sorten, die auf dem lehmigen Boden auf Buntsandstein gut gedeihen.

Die damit verbundene Arbeit erbringen die 56 Weinfreunde. Nach dem Frost erfolgt im Frühjahr der Rebschnitt, das ganze Jahr über wird ausgegeizt, Triebe werden also herausgeschnitten, im Herbst kommen Netze als Schutz gegen Vögel über die Stöcke, und im Oktober trifft man sich zur Weinlese. Schwer beladene Kisten ziehen und tragen die Weinfreunde dann den Hang hinunter. In diesem Jahr brachte der Berg eine Rekordernte von 1800 Kilogramm.

Verkauft werden darf der Wein nicht. Gesetze regeln, dass nur Wein aus den anerkannten Weinbaugebieten auf dem Markt angeboten werden darf. Die Trauben werden jedes Jahr zum Keltern nach Rheinland-Pfalz gefahren, die Flaschen dann im darauf folgenden Sommer anteilig unter den Weinfreunden verteilt.

Von Achim Meyer

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