Neuer Anlauf für eine Städtepartnerschaft mit Malmesbury, der Heimat von Lullus

Alte Pläne rosten nicht

Wo einst Lullus lebte: Die Ursprünge der alten Benediktiner-Abtei von Malmesbury stammen bereits aus dem Jahr 676. Von hier zog Lullus aus, um Germanien zu christianisieren und gründete dabei Hersfeld. Foto: Sigmar Gleiser/privat

Bad Hersfeld. Die Idee ist nicht neu. Aber ihr Ursprung ist noch viel, viel älter. Bereits vor 25 Jahren gab es in Bad Hersfeld Überlegungen, eine Städtepartnerschaft mit dem englischen Malmesbury einzugehen. Denn aus dem idyllischen, rund 5000 Einwohner zählenden Städtchen in Wiltshire am Avon kam vor rund 1300 Jahren der Mann, ohne den es Bad Hersfeld nicht gäbe: Lullus.

Offene Ohren bei Politikern

Für Dr. Sigmar Gleiser ist das Grund genug, jetzt einen neuen Anlauf zu wagen. Vor 25 Jahren scheiterte die Partnerschaft daran, dass Malmesbury bereits mit Niebüll in Schleswig-Holstein verbunden war, was weitere Städtebündnisse ausschloss. Inzwischen sind die Partnerschaftsregeln geändert und Gleisers Initiative stößt in der Hersfelder Politik auf offene Ohren.

„Ich persönlich fände es sehr gut, wenn wir einen neuen Anlauf zur Partnerschaft nehmen würden“, sagt der 1. Stadtrat Dr. Rolf Göbel, der sich selbst intensiv mit der Geschichte Bad Hersfelds beschäftigt.

Auch Sigmar Gleiser, dessen Vater früher Leiter der Luisenschule war, interessiert sich seit jeher für die Historie Hersfelds. Der Diplom-Volkswirt lebt seit vielen Jahren in Frankfurt, verbringt aber regelmäßig Zeit in seinem Ferienhaus in Oberaula.

Im Juli war Gleiser nun gemeinsam mit seiner Frau in Malmesbury und ist begeistert. „Das ist ein wunderbares englisches Städtchen mit einigen Pubs, einer Townhall und einem Museum“, schwärmt Gleiser. Außerdem gibt es dort natürlich die alte Abbey, eine Benediktiner-Abtei, deren Ursprünge sogar aus dem Jahr 676 stammen.

In einer Touristenbroschüre entdeckte Gleiser dort dann auch einen Hinweis auf Lullus, den späteren Bischof von Mainz, der von Malmesbury auszog, um die heidnischen Germanen zu christianisieren. Auch Malmesbury Abbey ist eine Ruine, die allerdings mit Mitteln des National Trust in Stand gehalten wird.

Sigmar Gleiser nutzte seinen Besuch in Malmesbury, um dort erste Kontakte zum örtlichen Historiker Charles Vernon zu knüpfen. „Zunächst waren alle völlig perplex, als ich erzählte, welch enge Verbindung zwischen den beiden Städten besteht, doch das Interesse ist sehr groß“, erzählt Gleiser, der seitdem Kontakt zu dem britishen Historiker hält. „Die Verbindung zwischen unseren beiden Städten ist über 1300 Jahre alt, eine Städtepartnerschaft liegt da auf der Hand“, meint Sigmar Gleiser. Auch Dr. Rolf Göbel findet nichts, was dagegen spricht, zumal die sprachliche Verständigung mit den Engländern sicher sogar leichter fiele als mit anderen Städtepartnern. Göbel will das Thema in der nächsten Magistratssitzung ansprechen.

Vielleicht klappt es mit einem ersten Besuch aus Malmesbury schon zum nächsten Lullusfest im Jahr der 1275-Jahrfeier, damit nicht wieder 25 Jahre ins Land gehen müssen, bevor zusammenkommt, was seit 1300 Jahren eigentlich zusammengehört.

Von Kai A. Struthoff

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